Michael Schultz Daily News Nr.518

Berlin, den 18. September 2013

Liebe Freunde,

selten war die Resonanz auf unseren Newsletter so groß wie gestern. Die Kritik am Zustand zur Außenwirkung der Berliner Kunstlandschaft fand großen Zuspruch. Die Berliner selbst sind es, die sich nach nichts mehr sehnen, als nach einer gutaufgestellten Kunstmesse. Das verloren gegangene 'Art Forum' wird sehnlichst vermisst; die Stadt muss wieder Vollgas geben und zeigen, was sie hat. So ist das einheitliche Credo. Ein Vorschlag der besonderen Art ist die Idee, eine Kunstmesse zu veranstalten, an der ausschließlich Berliner Galerien teilnehmen; man braucht den New Yorker Sammlern ja nicht unbedingt das zu zeigen, was sie vor ihrer Haustür in Chelsea tagtäglich sehen können. Eine überlegenswerte Idee, die aber nur dann funktioniert, wenn alle mitmachen. Aber daran ist ja auch schon das 'Art Forum' gescheitert.  

Boston, die größte Stadt Neuenglands, beherbergt u.a. eines der bedeutendsten Orchester der Welt und ist zugleich Heimat der weltweit bekanntesten Eliteuniversität. Das 'Boston Symphony Orchestra' und die im Vorort Cambridge ansässige 'Harvard Universität' prägen das Bild der Stadt. Zur neuen Attraktion könnte ein weltweit einmaliges Kunstmuseum werden. Das MOBA (Museum of Bad Art) hat sich auf Kunst spezialisiert 'die zu scheußlich ist, um ignoriert zu werden'. Jedes der ausgestellten Werke ist mit einer Beschreibung versehen, die im Stil abgehobener Kunstkritik zu weiterer Belustigung beiträgt. Grundstock für die Sammlung war ein auf dem Sperrmüll gefundenes Ölbild mit dem Titel 'Lucy in the Field with Flowers'. Das Bild war so schrecklich, dass es für die Müllverbrennung zu schade war.

Das alles geschah im Jahre 1993. Mittlerweile umfasst die Sammlung mehr als 700 Werke, die an unterschiedlichen Orten der Stadt gezeigt werden. Ein Teil der Sammlung wird derzeit beim lokalen Fernsehsender 'Brookline Access' gezeigt; weitere Werke im 'Brookline Pop-Up Village', und  der dritte Ausstellungsort ist der Toilettengang des 'Sommerville Theatre'. Dort sind rund 25 Werke aus der obskuren Sammlung zu sehen. Kunstwerke, die dem Museum als Schenkung überlassen wurden, aber nicht hässlich genug sind, um in die Sammlung aufgenommen zu werden, können dort käuflich erworben werden. Damit der Blick auf die  Kunst der besonderen Art nicht ganz so weh tut, verzichten die Initiatoren auf Eintrittsgelder. 

Bis zur Bundestagswahl sind es nur noch wenige Tage. Das Ergebnis der Bayernwahl hat die Parteien erschreckt. Getroffen hat es besonders die FDP, die nun um den Wiedereinzug in den Bundestag bangt. Mit sogenannten Leihstimmen aus dem Unionslager wollen die Liberalen ein mögliches Desaster verhindern. Doch die Union wehrt sich und kämpft um jede Stimme. Man hat die Niedersachsenwahl noch nicht verschmerzt; dort haben Anfang des Jahres die großzügig abgegebenen Leihstimmen zum Machtverlust der CDU geführt. Die Machtoption der Kanzlerpartei bietet letztlich mehrere Möglichkeiten; die FDP allerdings will nur mit der Union, und das macht sie so einsam. Wenn Rainer Brüderle mit seiner Soliabschaffung der Kanzlerin ähnlich selbstbewusst wie Horst Seehofer mit der PKW-Maut entgegen getreten wäre, dann müssten sich die Liberalen heute keine Sorgen machen. Es kommt halt, wie überall im Leben, aufs Personal an. Guido Westerwelle alleine kann das Desaster seiner Nachfolger nicht ausgleichen. Die SPD ist im Aufwind und mobilisiert ihre Klientel. Auch die Grünen erholen sich leicht. Die Spannung steigt.

Heute Abend gibt es wieder Fußball. Zu sehen für alle. Das ZDF überträgt ab 20:25 Uhr live die Campinos League Begegnung zwischen dem FC Neapel und Borussia Dortmund. Die Bayern haben gestern ihr Spiel gegen ZSK Moskau souverän mit 3:0 gewonnen. Sehen konnte man das Match nur im Bezahlfernsehen.  Für dieses rührt Franz Beckenbauer emsig die Werbetrommel. Zu hoffen bleibt, dass der FC das Zuschauerrecht seiner Heimspiele nicht auch noch veräußert. Die 'Allianz Arena' könnte dann zwar zum Amphitheater umfunktioniert werden, und das würde sicherlich ein Batzen Geld in die Vereinskasse spülen. Die Mannschaft könnte ihre Spiele auch unter den Augen vieler Fernsehkameras austragen, dann aber würde das Geschäft mit den Devotionalien deutlich zurückgehen. Einzig eine Rechenaufgabe, an der man sicherlich schon dran ist.

Wir haben nichts zu verbergen. Freuen uns über jedes gute Fußballspiel. Besonders dann, wenn wir es  sehen können. In diesem Sinne wünsche ich für heute einen aufregenden Fußballabend im ZDF. Morgen geht es weiter, und bis dahin sende ich die besten Grüße.

Michael