Michael Schultz Daily News Nr.516

Berlin, den 16. September 2013
 
Liebe Freunde,
 
mit einem sensationellen Auktionsergebnis von 172 Millionen US Dollar schockierte am 15. September 2008 der englische Skandalkünstler Damien Hirst die Kunstwelt. Die vielen Millionen wurden seinerzeit für 287 Kunstwerke erzielt, die unter Umgehung seiner Galeriepartner direkt aus dem Atelier im Auktionshaus gelandet sind. Wegen seines dreisten Vorgehens war die Kunstwelt geschockt und amüsiert zugleich. Doch die Schlagzeilen währten nur kurz: am darauffolgenden Tag ging der amerikanische Finanzriese Lehman Brothers in die Knie, und in dessen Folge hat auch das Geschäft mit der Kunst  einige Blessuren abbekommen. Das alles geschah vor genau fünf Jahren; mittlerweile haben sich die Gemüter wieder beruhigt. Als großer Gewinner ging der Kunstmarkt aus der Krise, seine 'Titel' sind derzeit alternativlos und gelten als sichere Anlage. Der Kunsthandel boomt wie nie zuvor, nicht nur im High End Bereich, auch das Interesse an junger Kunst steigt stetig.
 
In Bayern ist die CSU zu alter Stärke zurückgekehrt und hat mit 47,7 % die absolute Mehrheit der erreicht. Horst Seehofer ist der große Gewinner, und als solcher lässt er sich auch feiern. Die SPD konnte sich zur Vorwahl um zwei Punkte verbessern und erreichte 20,6%; die Freien Wähler kamen auf 9%; die Grünen auf 8,6%, und die FDP scheiterte mit mageren 3,3% am Wiedereinzug in den Landtag. Um ein ähnliches Desaster bei der Bundestagswahl zu verhindern, werben jetzt die Liberalen um die Zweitstimmen der CDU Wähler. Eine aktuelle und vom 'Focus' erhobene Umfrage prophezeit für die FDP jedoch Schlimmes: die FDP kommt hierbei auf 4%, die CDU auf 38%, SPD auf 27%, die Grünen auf 11% und die Linke auf 8%. Im Bund ist noch gar nichts entschieden; der nächste Sonntag verspricht Spannung. 
 
Die große Klammer zwischen der Bevölkerung und den Christsozialen bildet Horst Seehofer. Ihm ist es gelungen, die Bayern mitzureißen und mitzunehmen. Auf der anderen Seite der Isar, beim FC allerdings, fehlt derzeit nicht nur das Feuer, es fehlt auch der Motivator. Dem bayerischen Traditionsverein, darin sind sich die Fachleute einig, ist die Spielfreude abhandengekommen; sie spielen ihr Ding runter, fahren die Punkte ein, und die Zuschauer verlassen gelangweilt das Stadion. Um dem nun Einhalt zu gebieten 'zerlegt' Matthias Sammer via 'Bild am Sonntag' seine Millionentruppe. Der Mann mit dem Tunnelblick fordert mehr 'Emotion und Leidenschaft', mit dem 'Spiel nach Vorschrift' und dem 'Verstecken' vor dem Trainer und dem Gegner soll es nun endlich zu Ende sein. 'Wir sind nach all den Erfolgen wieder bei null', wettert er in der 'BamS' und donnert weiter '... haben jetzt einen neuen Trainer. Jeden Tag geht es: Pep hin, Pep her. Pep hoch, Pep runter.' Die Bayern, und das war ja auch vorherzusehen, sind mit der Philosophie ihres neuen Trainers überfordert. Abzuwarten bleibt, ob sich das durch ein Donnerwetter ihres Sportvorstandes ändert.
 
Guten Fußball spielt mittlerweile auch Eintracht Braunschweig. Was den Münchenern abhandengekommen ist, sieht man dort: ohne die Mithilfe des Schiedsrichters wurde durch Spielwitz und Kampfgeist der erste Bundesligapunkt eingefahren (1:1 gegen Nürnberg; ein geiles Spiel). Die Dortmunder tänzeln durch die Stadien und haben mit ihrem 6:2 Erfolg in Hamburg ein weites Mal gezeigt, wie kurzweilig und schön doch Fußball sein kann.
 
In Kitzbühel, der Wahlheimat vieler Bayern, fand am vergangenen Wochenende eine ungewöhnliche Kunstaustellung statt. Zum Thema 'Bergwelten' wurden Kunstwerke unterschiedlicher Künstler im Rohbau einer imposanten Villa gezeigt. Unter ihnen Bernd Zimmer, Cornelia Schleime und SEO, aber auch Künstler der Münchener Kollegen Filser & Gräf und MaxWeberSixFriedrich. Das Interesse war recht groß, und so konnten einige Kunstwerke in gute Sammlungen vermittelt werden. SEOs Jagdszene gehörte zu den Höhepunkten der Ausstellung und wurde noch am Eröffnungsabend reserviert. Ein erfolgreicher Ausflug, der für uns durch die Gastfreundschaft der in Kitzbühel wahlbeheimateten Sammlerfamilie Gädeke zum Erlebnis wurde.
 
Im Hinblick auf die diplomatischen 'Friedensbemühungen' in Syrien erreichte uns eine bemerkenswerte Äußerung des holländischen Sammlers Ari de Knecht: seiner Meinung nach ist 'der Käse noch lange nicht gegessen'. Übersetzt bedeutet dies: bis man sich dort einig sind, fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter. Schön, dass die Kultur unserer Sprachen so unterschiedlich ist.
 
In Berlin wird in dieser Woche die sogenannte 'Art Week' zelebriert. Was es damit auf sich hat, darüber berichten wir morgen.

Bis dahin senden wir die besten Grüße.

Michael