Michael Schultz Daily News Nr.515

Kitzbühel, den 13. September 2013

Liebe Freunde,

all diejenigen, die an die Magie der Hölle glauben, werden heute das Haus  nicht verlassen. Mal wieder treffen der Freitag und die Dreizehn aufeinander, und das verheißt Unglück. Meint man. Aberglaube ist die Hoffnung auf Erfüllung einer selbstgewählten Prophezeiung, sagt die Wissenschaft hierzu. Wenn man also befürchtet, dass an einem bestimmten Datum mehr passiert als sonst, dann erfüllt es sich. Man muss nur daran glauben.

Um diesem Phänomen auf die Spur zu kommen, hat z.B. der ADAC eine Untersuchung gemacht. Das Ergebnis ist entwappnend: nicht mehr Unfälle geschehen an Freitagen, die auf den 13. fallen - es sind sogar rund 10% weniger. Vielleicht liegt es daran, dass die Angsthasen erst gar nicht auf die Straße gehen und alle anderen ein wenig achtsamer sind. 

Die krankhafte Angst vor einem Freitag dem 13. wird in der Fachsprache der Psychologen Paraskavedekatriaphopie genannt. Es gibt nicht Wenige unter uns, die daran leiden und an solchen Tagen das Haus nicht wirklich verlassen. Sie bleiben im Bett. der Ursprung dieser Angst liegt, wie soll es anders sein, in den Horrorphantasien  christlichen Glaubens: zum letzten Abendmahl saßen 13 Personen am Tische Jesu. Der 13. war Judas, der kurz darauf den Herrn verraten hat. Dieser wurde einige Tage später - an einem Freitag - gekreuzigt. Mit viel Phantasie wurde hieraus die bösartige Legende um Freitag den 13. gestrickt. Der  Börsencrash vom 13. Mai 1927  ging als Schwarzer Freitag in die Geschichte ein; in vielen Hotels und öffentlichen Gebäuden gibt es keinen 13. Stock; die Airlines verzichten auf Sitzplätze in der Reihe 13, usw. usw.

An einem 13. in Kitzbühel zu sein, kann nur Glück verheißen. Mit viel Prominenz und an ungewöhnlichem Ort wird heute Abend  eine Ausstellung eröffnet; im Rohbau einer Bergvilla wird Ansehnliches zu Thema Natur gezeigt. Für die Angsthasen ist das nichts - nur die Mutigen werden belohnt.

Belohnt werden will am Sonntag auch Horst Seehofer. Seine CSU steht vor der absoluten Mehrheit; Emnid prophezeit ihr 47%, und sieht die FDP nicht mehr im Landtag. Die anderen Parteien (SPD 18%, Grüne 12%, Freie Wähler 8%) liegen weit hinten und haben mit dem Ausgang  nichts zu tun. Anders sieht es zur Bundestagswahl aus. Der  ARD-Deutschlandtrend vermeldet Spannung: CDU 40%, FDP 5%, SPD 28%, Grüne 10% und Linke 8%. Sollte die Wahl mit diesem Ergebnis ausgehen, dann ist die Kanzlermehrheit dahin und die Logarithmiker basteln an rechnerischen Mehrheiten. Aus diesem Konzert hat sich die FDP verabschiedet; eine Ampel mit der SPD und den Grünen lehnen sie kategorisch ab.  Die Spannung steigt.

Bevor wir ins Wochenende gehen, noch ein Wort zu Kitzbühel: dort wohnen derzeit 8.134 Menschen, und diese leben hauptsächlich vom Tourismus. In der Vergangenheit hat dieser dem Ort so manchen Promi beschert, und mit dessen wilden Partys kam das Klischee von der 'Prominentenpiste' auf. Da ist was dran; an den Wochenenden bevölkern die Schickimickis aus München das Bergtal und dann geht es rund. Ein Blick auf die Städtepartnerschaften allerdings verheißt Langeweile; mit der verschlafenen AOK-Erholungsresidenz Bad Soden fühlen sich die Kitzbüheler besonders eng verbunden. Das relativiert Einiges.

Die Kitzbüheler sind stolz auf ihren großen Sohn, die Skilegende Toni Sailer; zu den Stammbewohnern gehören Franz Beckenbauer und Uschi Glas, Heino und Hansi  Hinterseer.

Wir genießen die ausgesprochene Gastfreundschaft; in Verbeugung vor dieser wünsche ich ein aufregendes Wochenende und sende bis Montag die besten Grüße.

Michael