Michael Schultz Daily News Nr.514

Berlin, den 12. September 2013

Liebe Freunde,

so wie es die verrücktesten künstlerischen Ideen gibt, gibt es die ungewöhnlichsten Ausstellungsorte.  Vor gut zwei Jahrzehnten z.B. bespielte unsere Galerie in den Sommermonaten die Plattform des 'Pilatus'. Die als Hausberg der Luzerner bekannte Erhebung (2128 Meter) wurde zum Ausstellungsort; gezeigt wurden hauptsächlich Außenplastiken, und in den Gebäuden konzentriert Malerei. Höhepunkt unserer Aktivitäten war ein Freejazzkonzert mit A.R. Penck und seiner Band. Die extravagante Musik brachte den vollgefüllten Saal zum Toben und wurde zum medialen Großereignis. Noch heute erinnert man sich gerne an den zur Legende gewordenen Abend.

Weil die Arbeit der Künstler immer mehr als Vehikel und Klammer fürs alltägliche Geschäft genutzt wird, eröffnen sich die unterschiedlichsten Ausstellungsmöglichkeiten. Am kommenden Wochenende beispielsweise wird eine im Rohbau befindliche Bergvilla zum temporären Kunstmuseum. Das Ganze geschieht in Kitzbühel, und die für morgen geplante Eröffnung garantiert den Besuch von so manchem prominenten Dorfbewohner. Die Künstlerliste ist gut sortiert, mit dabei sind u.a. Bernd Zimmer, SEO, Malgosia Jankowska, Cornelia Schleime, Peter Zimmermann und Sven Drühl. Am Ende, so erhoffen es sich die Initiatoren, sind nicht nur die Kunstwerke gut platziert, sondern eben auch das Chalet.

Unter dem Motto 'No Air - No Art' beschäftigt sich die in Wien lebende Künstlerin Billi Thanner mit den Folgen der enormen und immer weiter voranschreitenden Luftverschmutzung Chinas. Betroffen und erschrocken hat sie sich, nach einem Besuch in Beijing,  dieses Themas  angenommen. Eine gut recherchierte Story wird zur Grundlage und dient der künstlerischen Umsetzung. Aufschlussreich sind die Recherchen:  China verbraucht 47% der Kohle weltweit; der schwere Smog im Land hat sich auf einer Fläche von 1,3 Millionen Quadratkilometer ausgebreitet, das sind 13% der Landesfläche und dies entspricht der vierfachen Größe von Deutschland. Installativ will sie diesem Fluch begegnen und sucht dafür Helfer und Sponsoren, die zur Realisation von  Aktionen und Ausstellungen behilflich sind. Eine wirklich ungewöhnliche Idee, deren kreative Obsession aus der Betroffenheit entstanden ist.

Nicht weniger ausgefallen ist das Schaffen der in New York lebenden deutschen Künstlerin Heide Hatry. Ihre Kunst entsteht aus den Abfällen der Schlachthäuser. In einem ästhetischen Recycling entstehen so ihre Kunstwerke;  in vielerlei Hinsicht will die Künstlerin unser Bewusstsein schärfen und mahnen zugleich. Auch hier wird der kreative Impuls von Betroffenheit gesteuert.  

Zwei Beispiele von wirklich ungewöhnlich kreativer Produktion. Die Künstler suchen Ausstellungsmöglichkeiten und haben sich bei uns beworben.  Interessanter als so manches Tafelbild, aber leider sind die Konzepte  mit unseren Möglichkeiten nicht kompatibel.  Wir setzen uns damit auseinander, treten in den Diskurs und helfen bei der Suche nach Ausstellungsorten. Einerseits ist unser programmatisches Spektrum klar definiert. Die Malerei und der Mensch in seiner Ganzheit bilden das Zentrum. Darum herum sind wir offen für alle Spielarten der Bildenden Kunst. Den Weg ins Programm finden Positionen die einerseits überzeugen und denen wir andererseits auch gerecht werden können. Das galt gestern und wird auch morgen noch so sein.

Am Wochenende gibt es endlich wieder Bundesliga Fußball. Die Rasenkünstler gehen in die nächste Runde. Der nationale Fight gegen die übermächtigen Bayern setzt sich fort. Dortmund steht oben und hat nach vier Spieltagen bereits 2 Punkte Vorsprung; die Spannung steigt.

Spannend wird es anscheinend auch noch mal bei der Bundestagswahl: nach neuesten Umfragen rutscht die CDU auf 39%, die Grünen auf 9%, dafür steigt die SPD auf 25% und die FDP auf 6%. In der 'Wahlarena' konnte Peer Steinbrück erneut Punkte sammeln - es kommt Bewegung ins Spiel.

Morgen kommt der Newsletter aus Kitzbühel und bis dahin wünsche ich wie immer einen angenehmen Tag.

Michael