Michael Schultz Daily News Nr.513

Berlin, den 11. September 2013
 
Liebe Freunde,

Künstler suchen die Auseinandersetzung, und dazu suchen und nutzen sie die unterschiedlichsten Formen der Öffentlichkeit. Spätestens wenn ihre Kunstwerke aus dem Atelier entlassen werden, beginnt der Diskurs mit der 'Außenwelt'. Der österreichische Kunsthistoriker, Konrad Oberhuber (1935-2007), verglich einst die Entlassung aus dem Atelier mit dem Großwerden der Kinder, die nach dem Auszug aus dem Elternhaus nicht nur eigene Wege gehen sondern auch eigenen Gedanken folgen. Eine gewagte These, an der vielleicht sogar was dran ist.
 
Je verschlossener und geheimnisvoller ein Kunstwerk sich präsentiert, umso intensiver ist die Auseinandersetzung damit. Nicht selten bleibt vieles im Verborgenen, und je geringer es sich    erschließt, desto intensiver wird die Beziehung. Hier und da hört man aus berufenem Munde wichtiger Ausstellungsmacher Sätze, wie  'mich interessiert nur, was ich nicht verstehe'. Ein spannender Ausspruch, der im Hinblick auf so manche Ausstellungschoreografie vieles erklärt. Im Kontext zu anderen Kunstwerken soll das Nichtverstandene entwirrt werden, und damit wird der Kurator zum Künstler. Wenn man diesen Gedanken bösartig weiterverfolgt, dann sind viele Versuche einer Spurensuche Ergebnisse kuratorischer Kapitulation. In Kassel, aber auch in Venedig, wird immer mal wieder gezeigt, was den Ausstellungsmachern verschlossen bleibt. Befeuert von unwissenden Claqueuren, feiert die Welt dann das Ergebnis. So geht Kunst. 
 
Dass es aber auch anders geht, zeigt der Alltag in einer Galerie. Auch wir arbeiten uns an den Ergebnissen der Künstler ab, doch unser Druck ist nicht ganz so hoch wie der der Kuratoren. Unsere meist langanhaltende und intensive Auseinandersetzung mit Künstler und Kunstwerk verschaffen einen optimalen Zugang. Nicht alles erschließt sich; wie in jeder guten Beziehung bleibt auch hier ein Restgeheimnis. Dieses wird respektiert, gewährt und geschützt. Beiderseits. So geht Kunst auch.
 
Als Ausstellungsorte sind die Galerien ein optimales Forum für Öffentlichkeit und Auseinandersetzung. Der schnelle Blick während der Vernissage verschafft einen ersten Eindruck; nicht wenige kommen ein weiteres Mal und genießen jenseits des Eröffnungstrubels die Zweisamkeit mit der Kunst. Ausstellungsbesprechungen in den Tageszeitungen erwecken Neugierde und sorgen für weitere Besucher. Gestern z.B. veröffentlichte die 'Berliner Zeitung' einen Bericht zur Ausstellung von Nina und Torsten Römer. Betitelt mit 'Tanze Samba mit mir' würdigte Ingeborg Ruthe das Schaffen der Künstler, und weil sie ihren Blick ausschließlich von 'außen' auf deren Produktion richtet, erweckt sie Interesse und Neugier. So hatten wir gestern volles Haus und viele guten Gespräche. Der komplette Artikel ist im Newsticker auf unserer Homepage (www.galerie-schultz.de) nachzulesen.  

Heute um 19.15 Uhr zeigt 'TV Berlin' einen 15-minütiges Filmporträt über die Römers. Der Beitrag ist Teil der Sendereihe "Stoliza - Das Russische Leben in Berlin"; darin werden wichtige und weniger wichtige in Berlin lebende Russen porträtiert. Insgesamt sollen ca.300.000 russischsprachige Menschen in Berlin leben. http://www.tvb.de/index.php/magazine/stoliza
 
Die Automobil-Lobbyisten in unserem Lande, bekannt als Lieblinge der Union, befürchten in der Mautangelegenheit ein Einknicken der Kanzlerin. Laut ADAC soll zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer Einigkeit darin bestehen, dass nach gewonnener Wahl, und so schnell es geht, eine Autobahngebühr für PKWs eingeführt wird. Im TV-Duell mit Peer Steinbrück hatte sie diese noch strikt abgelehnt.
 
Wie die Wahl ausgehen wird, Prognosen und Hochrechnungen, Kommentare und Interviews, darüber wird am 22. September auf allen Kanälen berichtet. Wer dies mit gutem Essen und in angenehmer Atmosphäre genießen will, kann sich zur Wahlparty ins 'San Giorgio' (Mommsenstraße 36, Tel.: 323 16 97) anmelden.
 
Für meinen Teil bin ich bereits meiner bürgerlichen Pflicht nachgekommen; der Wahlzettel ist im Briefkasten.

Beste Grüße und bis morgen,

Michael