Michael Schultz Daily News Nr.511

Berlin, den 9. September 2013

Liebe Freunde,

ein ereignisreiches Wochenende liegt hinter uns, und mit den Ergebnissen können wir alles in allem hochzufrieden sein. Die Eröffnungen von Andy Denzler in Köln (Kunstraum Osper) und von Helge Leiberg in Wiesbaden (Galerie Winter) wurden gut besucht und verliefen im Ergebnis recht zufriedenstellend. Bei uns in Berlin waren die Vernissagen von Udo Nöger und dem Künstlerduo Römer + Römer ebenso gut besucht. Viele Gäste waren von auswärts angereist (München, Köln, Magdeburg, Düsseldorf und Hamburg); das sind deutliche Signale für Wertschätzung und Neugierde. Unter den Besuchern war auch die Schauspielerin Katja Riemann, die besonders von den Karnevalimpressionen von Nina und Torsten Römer angetan war. Aus berufenem Munde wurde uns von einem absoluten Kenner der Szene bescheinigt, dass die beiden Berliner Ausstellungen zur Zeit 'mit Abstand das Beste sind, was in der Stadt zu sehen ist'. Das schmeichelt und ist Verpflichtung gleichermaßen.  

Im ersten Stepp konnten wir zwei Großformate von Römer + Römer in gute Sammlungen vermitteln; ein weiteres ist reserviert. Im Prinzip gibt es auf alle ausgestellten Werke Optionen, die ein optimales Gesamtergebnis erhoffen lassen. Der die Ausstellung begleitende Katalog (42 Seiten mit 12 farbigen Abbildungen) kostet 10 Euro und kann unter baron@galerie-schultz bestellt werden.

Überraschend gut aufgenommen wurde auch die Erstausstellung von Udo Nöger. Seine 'weißen Bilder' bildeten einen gut austarierenden Kontrast zur der starkfarbigen Pixelmalerei von Römer + Römer. Nögers Bilder strotzen vor leiser Energie, sind selbstbewusst und wirken dabei in keinster Weise aufdringlich. Die ersten roten Punkte sind gesetzt; auch hier gehen wir davon aus, dass am Ende alle ausgestellten Werke gut untergebracht sind. 

Es ist ja gar nicht so lange her, da waren unsere Ausstellungen in der Regel bereits vor den Eröffnungen ausverkauft. Für die Künstler, aber auch für uns, war dies eine komfortable Situation. Doch die Zeiten haben sich ein wenig geändert; seit dem Lehmann Crash und den damit verbundenen Auswirkungen auf dem Finanzmarkt hat sich auch der Kunstmarkt gewandelt. Viele Spekulanten haben sich vom Geschäft mit junger Kunst verabschiedet, sie pumpen ihr Geld neuerdings in die High End Produkte der Auktionshäuser. Dadurch ist das Gesamtvolumen im Geschäft mit der Kunst deutlich angestiegen; allerdings mehr im sogenannten Sekundärmarkt als im Galerienbusiness mit junger Kunst. Doch die Zeichen stehen nicht schlecht, dass der Hype auf neue und unverbrauchte künstlerische Positionen zurückkehrt.

Es ist ja kein Geheimnis, dass wir von Beginn unserer Geschäftstätigkeit in beiden Segmenten des Kunstmarktes tätig sind. Der Handel mit den Ikonen aktueller Kunst (Gerhard Richter, Andy Warhol, Sigmar Polke, Robert Rauschenberg, Georg Baselitz u.v.a.) verläuft eher im Stillen; im Vordergrund unserer Arbeit steht das Galerieprogramm und dem widmen wir einen Großteil unserer Energie. Als Vollservicepartner kümmern wir uns um die Pflege, den Diskurs und um die Verbreitung der künstlerischen Produktion. Aus Erfahrung und Beobachtung des weltweiten Kunstmarktes achten wir im Besonderen auf eine moderate Preisentwicklung unseres Programms. Im Ergebnis hat dies dazu geführt, dass bei allen 'Marktdellen' die wir in unserer langjährigen Tätigkeit im Geschäft mit der Kunst miterlebt haben, unsere Künstler unbeschadet, ja sogar eher gestärkt überstanden haben.

Dass das auch anders geht, beschreibt Tim Ackermann in der 'Welt am Sonntag' von gestern. Laut seiner Beobachtung 'boomt der Kunstmarkt fünf Jahre nach der Lehman-Brothers-Pleite wie nie zuvor. Nur die Lieblinge der Auktionshäuser sind andere geworden'. Der absolute Star im Auktionsgeschäft ist Gerhard Richter, dem eine stetige Aufwärtsbewegung bescheinigt wird. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Am anderen Ende der Geschichte steht sein Namensvetter Daniel Richter: im Jahre 2007 erzielte sein 'those who are here again' stolze 824.000 US Dollar - für 'blue' gab es im letzten Jahr nur noch einen Zuschlag von 86.000 US Dollar. Innerhalb von wenigen Jahren haben sich die Preise im Auktionsmarkt deutlich nach unten bewegt.

Einer der Gründe für diesen Verfall ist mit Sicherheit, dass das Fundament des Künstlers für den Hype nicht ausreichend gestärkt war. Die Bilder von Daniel Richter sind ja nicht schlechter geworden - ihm sind die Preise davongaloppiert, und sein Management hat das Tempo mit erhobener Peitsche befördert. Mit ausgelaugter Lunge steht nun das Pferd im Stall, zurückgeblieben sind die vielen Mitläufer, deren Investment auf ein Minimum geschrumpft ist.

Dies zu verhindern, war und bleibt unser oberstes Gebot. Es hinterlässt nicht nur zufriedene Kunden - der allmorgendliche Blick in den Spiegel wird allseits zum wahren Genuss. Das Auktionsgeschäft mit der Kunst von Cornelia Schleime ist sehr stabil; von SEO ist bislang noch nichts zurückgegangen, und die Einlieferer haben allesamt ein gutes Geschäft gemacht.

In diesem Sinne geht es morgen weiter und bis dahin sende ich (wie immer) die besten Grüße.

Michael