Michael Schultz Daily News Nr.507

Berlin, den 3. September 2013

Liebe Freunde,

es ist noch gar nicht so lange her, da elektrisierte der Kunstfälscherskandal um Wolfgang Beltracci Auktionshäuser, Sammler, Experten, Museen und Galeristen zugleich. Fein säuberlich wurde vor Gericht alles aufgearbeitet und am Ende ein verhältnismäßig mildes Urteil gesprochen. Dass es dazu kam, liegt möglicherweise an der Bewunderung zur Tat; insgeheim träumt fast jeder Mal davon, mit einer genialen Fälschung ein sorgenfreies Leben zu finanzieren. Im Zentrum der Träume stand in der Vergangenheit die große schwarze Druckmaschine, aus der die Geldscheine nur so prasselten. Heutzutage wagt man sich eher an die genialen Bildeinfälle berühmter Künstler, kopiert diese, und bewundert sich dabei selbst. Beltracchi war von seiner Genialität so sehr überzeugt, dass ihm bei der Legendenversorgung seiner Fälschungen geradezu stümperhafte Fehler unterlaufen sind. In Erinnerung geblieben ist der mit viel Zynismus und Missachtung gefälschte Bildaufkleber von Alfred Flechtheim. In diesem wurde der Galerist und angesehene Kunsthändler in nicht zu überbietender antisemitischer Darstellung abgebildet. Letztlich ist der Fälscher darüber, über seine eigene Überheblichkeit und Unfehlbarkeit, gestolpert. Bis dahin hatte er, mit Hilfe seiner Falsifikate, ein ansehnliches Vermögen mit Weingut und stattlichen Immobilien angehäuft.

Ganz anders klingt die Geschichte des in New York in freiwilligem Exil lebenden chinesischen Malers Pei-Shen Qian. Dieser hatte, in völliger Armut lebend, 1993 damit begonnen, im Stile der großen amerikanischen abstrakten wie Mark Rothko, Jackson Pollock, Willem de Kooning, Richard Diebenkorn und Franz Kline, zu malen. Dazu angeregt wurde er von dem Lebensgefährten einer auf Long Island lebenden mexikanischen Kunsthändlerin; dieser entdeckte ihn und seine Kunst auf einem Straßenmarkt, auf dem der Chinese mehr recht als schlecht seine Malerei zu veräußern versuchte. In Folge dieser Begegnung entstand ein gigantischer Betrug, zu dem der Künstler zwar die Grundlagen geschaffen hat, aber bis heute ein bescheidener und armer Mensch geblieben ist. Der ganze Skandal soll ein Volumen von annähernd 80 Millionen Dollar erreicht haben. Geschädigt wurden in der Hauptsache institutionelle Anleger, im Speziellen einige Hedgefonds Manager. 

Die Anklage gegen die mexikanische Kunsthändlerin (Glafira Rosales) ist mittlerweile erhoben; sie soll mindestens 63 Bilder aus der Werkstatt des Chinesen unters Volk gebracht haben. Zur Glaubhaftmachung der Herkunft wurden Sammlungen in Spanien und in der Schweiz erfunden. Großabnehmer der Falsifikate waren die mit bestem Leumund ausgestatten New Yorker Galerien Knoedler und Weissman. Knoedler, eine der ältesten amerikanischen Kunsthandlungen, schloss wegen dieser Leumundsaffäre 2011 die Pforten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht entschieden, wie das Gericht die Täter bestrafen wird. So wie es aussieht, droht dem mittlerweile 73 jährigen Künstler keine Verurteilung, weil das Fälschen von Kunstwerken alleine nicht strafbar ist. Erst wenn man diese als echt ausgibt, wird es zum Betrug. Dies haben wohl die Mexikanerin und ihr Lebensgefährte getan. Vermutlich hat der Künstler  nichtsahnend und für wenig Geld kopiert, was ihm vorgelegt wurde. Mit großer Spannung erwartet die Kunstwelt das Urteil. 

Im rumänischen Bukarest dauert der Prozess gegen die mutmaßlichen Rotterdamer Kunstdiebe an. Überraschenderweise hat ein Anwalt der Angeklagten vor Gericht behauptet, dass alle sieben entwendeten Kunstwerke unversehrt verwahrt werden. Dies widerspricht der durch Gutachten nachgewiesenen Tatsache, dass die Kunstwerke, zum Schutze ihres Sohnes,  von einer Mutter der Beschuldigten in ihrem Badezimmerofen verbrannt wurden. Eine makabre Geschichte, die hoffentlich vor Gericht geklärt werden wird. Seit dem Einbruch sind u.a. Werke von Picasso, Matisse, Gauguin und Lucian Freud  verschwunden. 

Schon immer schwebte über dem Kunstmarkt die Besonderheit, dass mit wenig Aufwand schnelles Geld zu verdienen ist. Beweise, dass das auch funktioniert, gibt es genügend. Um das zu erreichen,  benötigt man  Geduld und gute Beratung. Dann allerdings, wenn es ganz schnell gehen soll, geht es meistens schief. Auch wenn sich die Geschichten um die Kunstdiebe und Fälscherbanden manchmal  spannend anhören; sie gehören vor den Kadi und dürften gerne etwas strenger geahndet werden.

Der Kunstmarkt steht in seiner Blüte und boomt wie nie zuvor. In allen Segmenten.  Er gilt als sicheres Investment und im High End-Bereich gibt es augenblicklich keine profitablere Anlage.

Mit dieser Empfehlung verabschiede ich mich. Morgen kommen die Daily News aus der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Am Freitag bereits werde ich wieder zurückkehren. Bis dahin wird das Tagesgeschäft in gewohnter Qualität vom Berliner Office erledigt. Seit heute sind wir wieder vollständig und erwarten einen heißen Kunstherbst.

Beste Grüße,

Michael