Michael Schultz Daily News Nr.504

Berlin, den 29. August 2013

Liebe Freunde,

bereits seit 1992 wird im Rhythmus von drei Jahren der mittlerweile renommierte 'Architekturpreis Berlin' vergeben. In diesem Jahr wird erstmals, mit Unterstützung der Partner Berliner Bank, dem Tagesspiegel und der HOWOGE, ein mit 5.000 Euro dotierter Publikumspreis vergeben. Das Ganze geschieht online, und die Teilnahmemöglichkeiten sind unter www.architekturpreis.de zu finden.  In die Jury des diesjährigen Hauptpreises wurde erstmals SEO berufen. Sie wird das Gremium im Hinblick auf die künstlerische Bedeutung der zu beurteilenden Bauwerke beraten, und damit Einfluss auf die Vergabe der Preise haben. Getagt wird heute und morgen; vergeben wird der Preis anlässlich einer Feierstunde am 20. September. 

Per Rundschreiben vom 21. August 2013 teilt Christina Weiss, die Vorsitzende vom 'Verein Freunde der Nationalgalerie' ihren Mitgliedern mit, dass die Kommunikationsstrukturen zukünftig neu gestaltet werden. Sie persönlich will die Freunde fortan zweimal im Jahr mit einem persönlichen Brief beglücken; alle weiteren Informationen kommen wie bisher von der Geschäftsstelle. In ihrem ersten Rundbrief der neuen Dekade bittet sie den Freundeskreis um 'nichtnachlassendes Engagement'  für 'neue Zukunftsvisionen', und um Unterstützung für den Direktor Udo Kittelmann, 'um mit ihm gemeinsam mit kreativer Lust die neuen Projekte zu ermöglichen und sie in bewährter Weise zu begleiten.' Sie erinnert an die Wichtigkeit der Unterstützung durch die Mitglieder und vergisst nicht daran zu erinnern, durch die Mitgliedsbeiträge auch weiterhin mäzenatisch dem Unternehmen Nationalgalerie verbunden zu bleiben. Vieles ist durch die Freunde erst möglich geworden, und so soll es auch in Zukunft bleiben.

Noch bis zum 8. September zeigt die Berliner Nationalgalerie unter dem Titel 'Der geteilte Himmel' den zweiten Teil ihrer umfassenden Sammlungsausstellung. Darin gezeigt werden die Hauptpositionen der Zeit von 1945 bis 1968, einer spannenden und aufregenden Kunstepoche. Die bildende Kunst dieser Zeit war geprägt von den Ereignissen und Nachwirkungen des zweiten Weltkriegs; von der ideologischen Atmosphäre des 'Kalten Krieges'; vom Einfluss amerikanischer Tachisten; vom Informel; später von der Pop Art und nicht zuletzt von den Ost und West trennenden Stilrichtungen der Figuration und der Abstraktion. Der Westen verklärte die offene Struktur der Abstraktion zum Symbol der Freiheit, und im Osten wurde der Mensch in seiner Ganzheit zum Maßstab aller Dinge. Die Ausstellung überschreitet die Grenzen und richtet sich auf übergreifende Kunstideen. Im Mittelpunkt stehen, so formuliert es die Nationalgalerie, 'internationale Diskrepanzen; das Nebeneinander der Stile und Künste, die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen.' Zu sehen sind u.a. Arbeiten von Franz Radziwill, Wilhelm Lachnit, HP Zimmer, K.O. Götz, Ernst Wilhelm Nay, Georg Baselitz, Willi Sitte, Werner Tübke, Andy Warhol und R.B. Kitaj. Unbedingt ansehen (Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin).

Unter dem Motto 'Eine Stadt meldet sich zurück' feiert Zürich seit gestern Abend nicht nur den Start in die neue Kunstsaison, sondern auch die Eröffnung des erweiterten Kunstzentrums in der ehemaligen Löwenbrauerei. Heute eröffnen die Galerien links und rechts der Limmat. Darunter Gmurzynska mit der üblichen Handelsware von Chagall, Kandinsky, Rodtschenko und Lagerfeld. Michael Haas zeigt in einer Einzelausstellung neues von Heribert c. Ottersbach; Jablonka zieht mit Bleckner, Taafee und Winters in die neue Saison; bei Bruno Bischofberger, wie kann es anders sein, werden Zeichnungen und Drucke von Basquiat feilgeboten, und Ivo Kamm eröffnet mit der Berliner Künstlergruppe 'Artists Anonymous'. Die Galerien im Löwenareal folgen morgen dem Eröffnungsreigen. Dort eröffnet u.a. Eva Presenhuber mit einer Videoperformance von Doug Aitken; Peter Kilchmann zeigt zum Start  Werke von Erika Verzutti und Fabian Marti. Mit dem Galerienwochenende wollen die Züricher Kollegen beweisen, dass die Stadt zu den Topdestinationen aktueller Kunst gehört.

Im 'Grand Hotel Kurhaus' von Ahrenshoop wird morgen die vom Altmeister Dieter Brusberg kuratierte Ausstellung 'Berlin am Meer' eröffnet. Gezeigt werden Arbeiten von Kurt Schwitters, Max Pechstein, Ernst Wilhelm Nay, Horst Antes, Hans Laabs, Rolf Szymanski, Dieter Goltzsche und Burkhard Held. Im Zentrum der Ausstellung steht die Kunst von Werner Heldt. Ihm verdankt die Schau auch ihren Titel. 'Berlin ist Anlass und Inhalt seines Werkes; die Stadt wird zur Metapher für Schöpfung und Zerstörung, für Geborgenheit und Verlorensein, für Angst und Hoffnung', so der Kurator zum Geist von Werner Heldt im ansehnlichen Ausstellungskatalog. (Schifferberg 24, 18347 Ahrenshoop, bis 28. Februar 2014) 

Am Samstag dieser Woche wird in der Amsterdamer Kers Gallery die von C.A. Wertheim und Heike Kati Barath kuratierte Ausstellung 'drinnen binnen buiten draußen' (wird so geschrieben). Eine pralle Künstlerliste, in der bekannte und weniger bekannte Kunstschaffende zu finden sind; unter ihnen Paul Schwer, Uwe Jonas, Lidy Jacobs, Jet van Oosten, Nicole Groeneveld und Sonja Alhäuser. Auf der Webseite der Galerie (www.kersgallery.com) sind zur Ausstellung keine weiteren Informationen zu finden, dafür wird der Internetauftritt in vielen Sprachen angeboten. Das hat auch was.

Auch wir konzentrieren uns auf das Wochenende und erinnern gerne noch mal an unser Künstlerfrühstück: am Samstag zwischen 11 und 13 Uhr gemeinsam mit Rebecca Raue. Alle Empfänger dieses Rundschreibens sind dazu recht herzlich eingeladen.

Im Syrienkonflikt werden die Kriegstreiber aus den USA ein wenig moderater. Anscheinend gibt es noch keine endgültigen Beweise, wer hinter dem Nervengift-Einsatz steckt. Diese wurden von Großbritannien und der UN angefordert, konnten aber nicht geliefert werden. Unterdessen wird die Rolle unserer Kanzlerin immer dubioser. Je weiter sich Obama von einer militärischen Strafaktion entfernt, desto lauter ruft sie nach Vergeltung. Ausgerechnet jetzt, wo Gott sei Dank das ganze Thema etwas differenzierter betrachtet wird. Womöglich will sie in Zeiten des Wahlkampfes Stärke zeigen; wie immer aber sehr verwirrend.

Morgen erscheint die Wochenendausgabe. Nicht umfangreicher oder inhaltsschwerer; erwähnenswert nur deshalb, weil die Redaktion dann zwei Tage frei hat. Beste Grüße.

Michael