Michael Schultz Daily News Nr.503

Berlin, den 28. August 2013

Liebe Freunde,

die Amerikaner treiben ihren militärischen Einsatz gegen das Assad-Regime weiter. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird zur Vergeltung eines Giftgaseinsatzes in den nächsten Tagen über Syrien ein Bomben- und Raketenhagel niedergehen. Obwohl es noch keine gesicherten Erkenntnisse gibt, dass das Nervengift von den Regierungstruppen eingesetzt wurde, wollen die Amerikaner zuschlagen. Rückendeckung wurde bereits aus Frankreich und Großbritannien zugesichert. Auch die Bundeskanzlerin will ihren Bündnispartner nicht im Regen stehen lassen; halbherzig wie sie nun mal ist, sichert sie den Amerikanern Unterstützung zu. Wie diese aussehen wird, erfahren wir, wenn überhaupt, sehr wahrscheinlich erst nach dem Einsatz. Eine große Mehrheit der Deutschen ist gegen eine Teilhabe und lehnt  den Waffengang ab. Unter Berücksichtigung kommender Wahlen und ihrer bekannten Entscheidungsunfreude sind zu diesem Vorgang keine klärenden Worte zu erwarten. Sie schwafelt drumherum und erwähnt, dass man den Verbündeten bereits im Libyenkrieg die Unterstützung verwehrt hat. Eine eindeutige Aussage, so schlimm sie auch aussehen mag, würde ihren Führungsanspruch untermauern. Jetzt wäre es wirklich mal wichtig zu wissen, wie unsere Kanzlerin denkt.

Heute vor 50 Jahren stand der Baptistenprediger und Bürgerrechtler Martin Luther King am Lincoln-Denkmal in Washington und sprach vor 250.000 meist schwarzen US Bürgern seinen legendären Satz 'I have a dream'.  Mit diesem mahnte er Freiheit, Gleichheit und Arbeitsplätze speziell für die afroamerikanische Bevölkerung an. Gleichwohl war dieser Satz auch eine Anspielung auf den Amerikanischen Traum, der seinerzeit den Farbigen verwehrt war. Für sein Engagement gegen die Rassentrennung und seine deutlichen Worte zum Vietnamkrieg wurde ihm 1964 der Friedensnobelpreis überreicht. Mit seinem Kampf hat er Grundlagen geschaffen, die es möglich machten, dass Amerika heute von einem farbigen Präsidenten regiert wird. Sein unermüdlicher Einsatz für die Menschrechte kostete ihn das Leben. Martin Luther King wurde am 4. April 1968 in Tennessee ermordet. Anlässlich einer Gedenkfeier wird  Barak Obama heute in Washington an ihn erinnern.

Peinlichkeiten im Wahlkampf sind nichts Ungewöhnliches. Es wird gelogen und versprochen, was das Zeug hält. Dafür werden die Parteien hinterher belohnt. Für jede erstrittene Stimme gibt es bei einem Mindestanteil von 0,5% für die ersten 4 Millionen stolze 85 Cent; danach immerhin noch 70 Cent. Da kommt einiges zusammen; trotzdem wird gespart und getrickst, wo es nur geht. Jetzt ist bekannt geworden, dass sich sowohl die FDP als auch die NPD für ihre Werbespots einer aus dem Netz geladenen Radfahrer-Familie bediente. Identische Bilder für zwei Parteien, die unterschiedlicher nicht sein können. Von den freiheitlichen Wettbewerbs-Befürwortern hätte man mehr Kreativität erwarten können. 

Rechtzeitig zum bevorstehenden Oktoberfest (21. September bis 6. Oktober) hat das Bundeskartellamt Ermittlungen wegen vermuteter Preisabsprache unter den Bierbrauern aufgenommen. In Verdacht gekommen sind 11 Brauunternehmen und ein Brauverband. Nichts Genaues weiß man. Rein vorsorglich werden die Kosten für die Untersuchung und bevorstehende Strafzahlungen bereits jetzt umgelegt: auf der Wiesn peilt der Preis für eine Maß die 10 Euro-Grenze an. Am Ende, wie soll es auch anders sein, bleibt der Verbraucher der Geschädigte.

Aber, die Bayern haben sich endlich mit ihren Fußballfans versöhnt. Seit gestern Abend steht der FC an der Tabellenspitze der Bundesliga. Dazu reichte ein 1:1 Unentschieden in Freiburg. Es ist gerichtet - vorläufig zumindest. Dass die Bayern nicht gewonnen haben, liegt mal wieder an ihrem Unvermögen; womöglich auch an ihrer Überheblichkeit.  Weil er Teile der Stammmannschaft für das am Wochenende stattfindende Spiel gegen Chelsea schonen wollte, baute Trainer Guardiola sein Team auf sieben Positionen um. Für's erste reichts - vielleicht ist dies auch die neue bajuwarische Bescheidenheit. Und wenn wir gerade dabei sind: durch einen 3:2 Sieg in Saloniki hat sich Schalke 04 für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. Neben dem Renommee spült das Weiterkommen auch noch rund 20 Millionen in die Vereinskasse.

In Berlin kriselt es mal wieder. Der Inhalt einer Machbarkeitsstudie zum Umzug der Gemäldegalerie wird von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ignoriert. Damit soll dokumentiert werden, dass man mit dem Ergebnis nicht einverstanden ist, und den Umzugsgedanken aus vorgeschobenen Kostengründen am liebsten vergessen will. Zum Leidwesen des Stifterehepaars Pietzsch, die ihre 100 Millionen Euro teure Surrealisten-Sammlung nur unter der zugesagten Maßgabe einer ständigen Präsentation in den Räumen der Gemäldegalerie abgeben werden. Mit immer neuen Umbau- und Neubauplänen wird hin- und hergeschoben, was lange besiegelt war. Heiner Pietzsch und seine Frau haben bereits reagiert; zwei Werke aus ihrer Sammlung haben sie als Schenkung dem Dresdener Albertinum vermacht. Wenn in Berlin nicht bald zur Tat geschritten wird, ist zu befürchten, dass die ganze Sammlung nach Dresden wandert.

Interessante Jobs bietet der Stellenmarkt: die Städelschule in Frankfurt sucht zum 1. April 2014 einen neuen Rektor. Bewerbungen müssen bis zum 7.9.2013 an die Staatliche Hochschule für Bildende Künste/Städelschule, Dürerstraße 10, in 60596 Frankfurt/Main gerichtet werden. Wer der neue Direktor des Kölner Kulturamtes werden will, soll sich bis zum 9. September beim Personal-und Organisationsamt der Stadt Köln bewerben; Willy-Brandt-Platz 3, 50679 Köln. 

Morgen wieder mehr, und bis dahin sende ich die besten Grüße.

Michael