Michael Schultz Daily News Nr.499

Berlin, den 22. August 2013

Liebe Freunde,

immer wieder gibt es unter den Künstlern sogenannte Multitalente, die es zu höchster Anerkennung in den unterschiedlichsten Medien schaffen. Julian Schnabel erreichte dies als Maler und Filmemacher; Christoph Schlingensief war - als Theater- und Filmregisseur, Buchautor und Performer - das Multitalent schlechthin; Jan Fabre hat höchste Ehren nicht nur als Maler sondern auch als Filmemacher und Dramatiker erreicht; Günter Grass ist neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch als Zeichner und Plastiker ausgezeichnet worden, und Pablo Picasso war in allen Sparten der bildenden Kunst ein Genie. Die Fähigkeit, auf unterschiedlichen Ebenen seines Mediums Großartiges zu leisten, hatte z.B. auch Arno Schmidt. A.R. Penck ist als Dichter, Denker, Physiker, Musiker und Maler in der Kunstgeschichte fest verankert; in seinem Werk wäre das eine ohne das andere ohnehin nicht möglich gewesen.

Diese Aufzählung könnte ellenlang weitergeführt werden und müßte eigentlich mit Leonardo da Vinci beginnen, der als Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph als einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten gilt. Nicht zu vergessen Michelangelo Buonarroti (1475-1564), der ebenso als Maler wie Bildhauer, Architekt und Dichter Revolutionäres geschaffen hat und in dieser Reihung nicht ungenannt bleiben darf.

Unter den Künstlern unseres Programms hat sich Helge Leiberg mit seiner Malerei, Bildhauerei, Musik und Performance als Multitalent einen Namen gemacht. Cornelia Schleime gehört unbestritten zu den großen Alleskönnern ihrer Generation: als Performerin, Malerin, Keramikerin und Schriftstellerin hat sie sich einen Namen gemacht.


Ein kulinarisches Gesamtkunstwerk erster Klasse: geschaffen von SEO.

Ihre Doppelbegabung als Malerin und Sterneköchin stellte SEO gestern unter Beweis: anlässlich ihrer Geburtstagsparty, die auf der Dachterrasse bei Simone Adelsbach und Jörg Hoppe stattgefunden hat, hat sie ein kulinarisches Gesamtkunstwerk vollbracht. Auch zum Vorteil des Gastgebers, dessen Geburtstag um Mitternacht mitgefiert wurde (siehe Foto).

Sehr vielseitig und damit äußerst erfolgreich ist auch Stephan Kaluza, der nicht nur als Maler, sondern auch als Fotograf, Regisseur, Bühnenautor und Schriftsteller immer häufiger neues Terrain betritt und dabei beachtliche Erfolge erzielt. 

Am 2. September erscheint nun unter dem Titel 'Geh auf Magenta' sein Debütroman. (FVA Frankfurter Verlagsanstalt/ISBN 978-3-627-00199-5). Ein knapp 350 Seiten umfassender Einpfünder, in dem Kaluza eine fiktive Geschichte von der Inszenierung des Todes als Kunstwerk beschreibt. Der Klappentext verrät es: nach der Trennung von seiner Freundin, die ausgerechnet auch noch zu seinem Mäzen gezogen ist, kommt er bei einem Besäufnis mit einem Freund auf die Idee einer theatralischen Zurschaustellung seines Todes. Als er den provokanten Plan im Internet postet, erscheint eine mysteriöse Frau, und mit ihr beginnt eine rasante und humorvolle Geschichte.

Quergelesen (das Buch wurde mir erst gestern auf den Schreibtisch gelegt) geht es darin in der Hauptsache um Sex, Rausch, Liebe, Trauer, Verlust, Euphorie und Einsamkeit, und natürlich auch um existentielles im Leben eines Künstlers. Eine packende Beziehungsgeschichte, in der die Facetten einer zerrissenen Persönlichkeit, einer verrückten Beziehung und einer von Sex dominierten liebe detailliert beschrieben werden. Auch wenn das Geschriebene mitunter ein wenig wirr oder surreal erscheint, ist der Roman durch seine autobiografischen Züge ein amüsant lesbarer Erstling.

Nicht selten erschließt sich das Werk eines Künstlers ausschließlich im Geflecht seiner Vielschichtigkeit, und bei Stephan Kaluza ist das so. Mit dieser 'Lebensbeichte' wird ein weiteres Mosaiksteinchen seines Denkens offenbart. Dieses gibt Hinweise und liefert Erklärungen zu seinem künstlerischen Schaffen, dechiffriert und bewirkt Verständnis, auch wenn vieles in seinem Werk für immer ein großes Geheimnis bleiben wird. Doch seine packende 'Wirklichkeit' wirft auch neue Fragen auf. Aber, Multitalente sind nur dann wirklich welche, wenn das Geheimnis ihres Handelns niemals wirklich gelüftet wird.  

In diesem Sinne verbleibe ich für heute, wünsche einen angenehmen Arbeitstag, sende beste Grüße und hoffe auf gutes Wetter. Bis morgen.

Michael 

SEO