Michael Schultz Daily News Nr.497

Berlin, den 20. August 2013

Liebe Freunde,

zu Hause angekommen, geht es gleich an die Arbeit. Doch bevor ich dies tue, reflektiere ich noch einmal kurz über den Stopover in Singapur: die Entlassung aus dem Paradies ist immer dramatisch. Wenn man allerdings im Konsumtempel Singapur ankommt, dann wird es schnell traumatisch. Eine Stunde in der 'Marina Bay Super Shopping Mall' reichen aus, um drei Wochen Erholung auf einen Schlag zunichte zu machen. Der Besuch dort war wegen eines Business Termins unausweichlich. Sollte es mich mal wieder ins Paradies treiben, dann wird die Rückkehr anders geplant. Das ist sicher. Am Rande sei noch bemerkt, dass ich im Hotelpool auf der prall gefüllten Brust einer asiatischen Schönheit das 'Nike' Logo eintätowiert gesehen habe. In seiner ganzen Pracht. Auch das ist Asien.

Während des langen Rückfluges wurde viel gelesen; endlich mal wieder in der Heimatsprache, und weil das so entspannt ist, wurde auch das Kleingedruckte in Augenschein genommen. Amüsant fand ich z.B. diese beiden Kleinanzeigen, die ich in der 'Süddeutschen' gefunden habe. Dort war Folgendes zu lesen:

'Sie haben etwas Besitz, z.B. ein Haus, ein kleines Chateau o. ähnlich, in schöner Lage. Hier oder südlich der Alpen, aber niemanden dem sie es weitergeben können. Wir sind ein nettes Ehepaar. 53/50 Jahre alt, in geordneten Verhältnissen, aber leider nicht in der Lage, ein solches Objekt käuflich erwerben zu können.  Haben sie Lust, uns zu helfen?'.

Eine Spalte weiter dann das: 'Brauche keine teuren Dinge; lieber die Welt sehen & erfahren, unabhängig sein, Gutes tun und unterstützen. Welche/r wohlhabende/r schenkt mir für dieses "Projekt" 1 Mio. €? Gegenleistung: Dank und Freude.'  

Schade, dass man nicht verfolgen kann ob die witzigen Bettelanzeigen auf Gegenliebe stoßen und den 'Armen' geholfen wird. Die Hoffnung scheint groß zu sein, sonst würden die Versuche sicherlich nicht unternommen werden. Mir ist es mit ehrlicher Arbeit weitaus lieber.

An die wird sich gleich heute gemacht. Mehrere Termine stehen bereits auf der Agenda. So z.B. gibt es ein Treffen mit dem General Manager der 'Istanbul Contemporary Art Fair', in dem es in erster Linie um die Positionierung unsers Messestandes geht. Aber auch um die neugegründete Kunstakademie in Bodrum, in deren Beraterkreis ich berufen wurde. Es geht an die Vorbereitungen der kommenden Ausstellungen von Torsten und Nina Römer (Römer + Römer) und Udo Nöger, und es geht in erster Linie um die technische Wiederherstellung unserer Ausstellungsflächen. Diese wurden durch eindringendes Wasser in Mitleidenschaft gezogen, und weil das Wasser von oben kam, müssen die Decken in einem Spezialverfahren schnellstens ausgetrocknet werden. Das alles muss bis Anfang September geschehen sein, weil wir am 7. eröffnen wollen.

Schlussendlich möchte ich noch auf eine Ausstellung hinweisen in der die Kunstwerke wegen der hohen Versicherungskosten nicht im Original, sondern als Reproduktionen gezeigt werden. Noch bis zum 29. September ist in der Kunsthalle Düsseldorf 'Leben mit Pop. Eine Reproduktion des Kapitalistischen Realismus' zu sehen. Bezug genommen wird in der Schau auf die legendäre Ausstellung von Gerhard Richter und Konrad Lueg, die im Jahre 1963 im Düsseldorfer Möbelhaus Berges stattgefunden hat. Diese ging als Manifestation neuer deutscher Popart in die Geschichte ein. Die 'Kapitalistischen Realisten', zu denen später auch noch Sigmar Polke und Manfred Kuttner gestoßen sind, benannten sich in Opposition und in Anlehnung an den in der DDR verbreiteten 'Sozialistischen Realismus' mit diesem Wortspiel. Die Geschichte derer wird in Düsseldorf aufgearbeitet, kann aber wegen des o.g. Geldmangels in der Hauptsache nur anhand von Reproduktionen dokumentiert werden. Ein erbärmlicher Zustand in unserem Zeitalter der Hochkultur. Normalerweise helfen da gerne Sponsoren aus; möglich, daß das Ausstellungsthema nicht auf ausreichende Gegenliebe gestoßen ist. (Kunsthalle Düsseldorf, bis 29. September)

Das war's für heute. Die lange Reise zehrt doch ein wenig. Morgen wieder mehr. Beste Grüße.

Michael