Michael Schultz Daily News Nr.483

Lombok, den 31. Juli 2013

Liebe Freunde,

abgetaucht in ein ayurvedisches Urlaubsprogramm, beschäftigen sich meine Sinne mit der Philosophie des reinen Seins und der Wissenschaft der täglichen Lebensführung. Die enge Wechselbeziehung zwischen dem Universum und mir wird auf den Prüfstand gestellt, verbunden mit der  Hoffnung, dass daraus die Einsicht wächst, dass der Ursprung meines Seins kosmischer Natur ist. Die drei Grundlagen allen Seins sind demnach die Bewegung, das Beharrungsvermögen und die Essenz. Im Universum sind diese im Gleichgewicht; in der Geschichte zur ayurvedischen Lehre nennt man sie die kosmische Intelligenz. Wird diese gestört, dann wirken enorme Kräfte aufeinander. So die östliche Lehre.

Ayurveda betrachtet Gesundheit und Krankheit aus einer ganzheitlichen Sicht. Einbezogen ist das Individuum, der kosmische Geist und ein Bewusstsein zwischen Energie und Materie. Der Mensch wird als Mikrokosmos betrachtet; gewissermaßen als ein Universum für sich. Nach den ayurvedischen Lehren hat jeder Mensch vier spirituelle und biologische Antriebe: den religiösen, den finanziellen, den Fortpflanzungstrieb und den Drang nach Freiheit. Um diese Antriebe erfüllen zu können, ist eine ausgeglichene Gesundheit die  Grundvoraussetzung. 

In unserer westlichen Denk- und Lebensweise, wird das Individuum gerne kategorisiert und verallgemeinert. Was Vielen gemeinsam ist, gilt als Norm. In der ayurvedischen, auch östliche Lehre genannt,  muss die Norm individuell bewertet werden, um die Funktionsweise der persönlichen Konstitution und deren Temperament zu ergründen. In ihr werden Beobachtung, Erfahrung und Akzeptanz  als Schlüssel zum Verständnis angesehen. In unserer westlichen Lebensphilosophie sind dies das Hinterfragen und das Analysieren, daraus entsteht dann die sogenannte Objektivität. In der Östlichen wird der Subjektivität mehr Bedeutung bemessen. 

Die Überwindung der Trennung zwischen Objekt und Subjekt ist Hauptanliegen  der östlichen Lehre. Diese Methodik macht es für uns Abendländler auch so schwer, der ayurvedischen Lehre zu folgen. Vieles aus dem Ayurvedischen ist rational nicht zu erklären, geschweige denn zu verstehen. Sie gilt als Lehre der ganzheitlichen Wissenschaft, deren Wahrheit sich durch die Summe vieler Elemente ergibt. Teilaspekte in Frage zu stellen, davon wird grundsätzlich abgeraten. Wenn man die ayurvedische Wissenschaft als Ganzheit verstanden hat, dann ist man angekommen in der reinen Lehre des Seins.

Das also ist das große Thema, welches sich in meine derzeitigen Lebensumstände eingenistet hat. Doch keine Angst, der spirituelle Ansatz ist zwar sichtbar, im Alltag wird er jedoch so gut wie nicht wahrgenommen. Dabei hilft mir einerseits, mein mangelhaftes Sprachverständnis, andererseits aber auch, dass die strenge Auslegung auf Lombok nicht so angesagt ist. Einzig die Massagen werden nach ayurvedischen Grundsätzen angeboten. Per Selbstdiagnose gehöre ich zur Kategorie der 'Pitta' - Konstituierten; deshalb bekomme ich die Behandlung mit Sonnenblumen- und Sandelholzöl. Dies dient zur Abkühlung des Körpers. Atemübungen, Mediation und Yoga werden angeboten, aber nur als Anleitung zur Selbsttherapie. Weil ich meine ayurvedischen Dosen selbst festlegen kann,  kommt mir der zwanglose Umgang mit der spirituell angehauchten Lehre sehr entgegen. Das ganze Thema ist so komplex, dass ich mich hier auf das Wesentliche beschränke. 

Wichtiger Bestandteil der ayurvedischen Heilkunde ist die Ernährung. Je nach Typ gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Für mich wird beispielsweise Folgendes empfohlen: süße Früchte (alles Saure sollte nicht auf den Tisch); keine scharfen Gemüsearten sondern eher bittere und süße wie z.B. Rosenkohl, Gurke, Stangensellerie und Sprossen.  Unter den Getreidearten empfiehlt der Leitfaden die Zunahme von Gerste, Weizen und Basmatireis; bei den tierischen Produkten sind dies Huhn, Truthahn, Garnelen und Wild. Aber auch für alle weiteren Nahrungsmittel sind Richtlinien für die unterschiedlichen Konstitutionsgrundtypen festgelegt.

Jedem, der sich mit üppig ausgestatteter  Körperfülle durchs Leben schleppt, sei ab und an geraten seine Gesundheit einem Generalcheck zu unterziehen. Meine Werte sind seit Jahren unverändert gut,  so gut, dass die Ärzte mitunter von einem medizinischen Wunder sprechen. Bei meiner Leibesfülle hört man das gern. Zum Entgiften bin ich in der Vergangenheit regelmäßig in den legendären 'Lanserhof'  nahe Innsbruck gereist. Auch Kippenberger ging gerne und oft dorthin. Jetzt hat es mich in die Ferne getrieben, und ich bereue nichts. Die Exotik und das Unbekannte liefern genügend Ablenkung, so dass mein Tag hier kurzweilig und voller Spannung ist. Mir geht es in erster Linie um die Remobilisierung meiner Kniegelenke. Dazu muss zu allererst der Körper entsäuert werden. Das funktioniert am besten über die Ernährung, aber auch durch begleitende Massageanwendungen. Ein guter Mix hat bereits ein kleines Wunder bewirkt: die Krücken benutze ich immer weniger. Wenn am Ende dabei die Verbannung derer in die Asservatenkammer rauskommt, hat sich alles gelohnt.

Vor einigen Tagen erschien in der Onlineausgabe von 'Monopol' ein kleines Interview zu diesem Newsletter:

http://www.monopol-magazin.de/artikel/20107025/Bis-morgen-Michael.html

Dies hatte zur Folge, dass bis gestern 34 neue 'Abonnenten'  um Zustellung gebeten haben. Ab heute gehören diese zum erlauchten Kreis der Empfänger. Herzlich willkommen. Die Themen sind recht vielfältig, und um die Philosophie des Verfassers zu verstehen, empfiehlt dieser Kontinuität beim Lesen. 

Gestern erreichte mich eine Leserzuschrift aus der Mongolei. Sogar in der transsibirischen Eisenbahn werden wir gelesen. Aus Baku, Istanbul, Bagdad, München, Köln und anderen wichtigen Orten dieser Welt kommt Zuspruch. Allen zu antworten geht leider nicht; deshalb an dieser Stelle mein Dank für die aufrichtige Anteilnahme.

Zum Thema Steuerhinterziehung gibt es aus München Neues: entgegen allen Unkenrufen, hat nun doch die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Bayern Boss erhoben. Wenn diese zugelassen wird, wird es eng für Uli Hoeneß. Eine Haftstrafe ist dann nicht mehr ausgeschlossen, und ob diese zur Bewährung ausgesetzt werden wird, ist noch nicht ausgemacht. Erfreulicheres gibt es von der Katholischen Kirche zu vernehmen. Zum Thema Homosexualität und Priestertum äußerte sich Papst Franziskus äußerst tolerant. Erstmals gesteht die Amtskirche in ihren Reihen die Existenz gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Das bedeutet noch nicht viel, macht aber Hoffnung  zu einem toleranteren Umgang mit diesem Thema.     

In diesem Sinne wünsche ich einen angenehmen Tag und sende die besten Grüße aus dem Paradies.

Michael