Michael Schultz Daily News Nr.480

Singapur, den 26. Juli 2013

Liebe Freunde,

auch draußen in der weiten Welt ist der Kontakt zur Heimat jederzeit möglich. Das verdanken wir den elektronischen Informations- und Kommunikationsmitteln. Ein Blick in die Portale deutscher Tageszeitungen bzw. Nachrichtenmagazine informiert schnell und preiswert. Die 'Süddeutsche' und  der 'Spiegel' liegen dabei ganz weit vorne. Ihre Internetplattform steht kostenfrei zur Verfügung, hat hohe journalistische Qualität. Mich hält dies aber dennoch nicht davon ab, tagtäglich bzw. Woche für Woche die Druckversion dieser beiden Publikationen zur erwerben. Dasselbe gilt für das einschlägige Kunstmagazin 'Monopol': auch hier schaue ich regelmäßig ins Onlineportal, freue mich aber immer, wenn ich das druckfrische Exemplar in der Hand halte. Letztlich vermittelt die Haptik auch bei einem Druckerzeugnis  Sinnlichkeit und Seriosität. Und darauf kommt es an. 

Im Hause Springer war dieses noch nie Qualitätsmerkmal. Die Auflage stand im Vordergrund; koste es was es wolle. Die Berichte müssen reißerisch sein, der Wahrheitsgehalt ist Nebensache. Das ist die Erfolgsstory des Axel Springer-Verlags. Aber, trotz allen Unmuts über Springers Verlagserzeugnisse,  wir verdanken der hetzerischen Berichterstattung letztlich auch den Umbruch unserer Gesellschaft.  Dieser führte in der Folge zur Emanzipation der Nachkriegsjugend und öffnete die Gesellschaft für weitreichende Diskussionen.

Jetzt verlieren die Springer-Manager den Glauben an ihre Druckerzeugnisse. Traditionsblätter wie das 'Hamburger Abendblatt', die 'Berliner Morgenpost', aber auch 'HÖR ZU' und andere Periodika, wurden für 920 Millionen Euro verkauft. Die Zukunft liegt im digitalen Geschäft; so glaubt man. Dem Umbruch in die Welt von morgen wird Traditionelles geopfert. Ein großes Wagnis mit offenem Ende. Die 'Bild', Springers publizistisches Flaggschiff, wird noch verschont. Sollte auch sie vom Printmarkt verschwinden, dann müsste sich so manches Pausenbrot  eine neue Verpackung suchen.

Ein weiteres Mal will Springer die Gesellschaft verändern. Die Protagonisten von damals haben ihren Frieden mit dem Boulevard geschlossen; sie sind die Bürger von heute und mit ihnen hoffen wir, besonders in Berlin, dass uns die 'B.Z. ' mit ihrem herausragenden Kulturteil erhalten bleibt. Ausstellungsberichte dort sorgen immer für guten Besuch, und darauf kommt es uns an.

Mit Sicherheit gut besucht wird heute die Städtische Galerie der Stadt Tuttlingen. Dort wird am Abend erstmals der 'Dante Zyklus' von Helge Leiberg gezeigt. In vielen großformatigen Leinwänden hat er sich an der 'göttlichen Komödie' abgearbeitet; aber auch Skizzen und Entwürfe werden in der Ausstellung zu sehen sein. Dantes Ritt durch die Hölle, von der endgültigen Verdammnis übers Fegefeuer bis hin zum Erreichen des Paradieses, wurde szenisch aufbereitet und in spektakulären Bildern festgehalten. Eröffnet wird um 19 Uhr (Rathausstraße 7, 78532 Tuttlingen). Gegen 22 Uhr wird Leiberg in einer live Performance (mit Tänzerin und Gitarrist)  Overheadpaintings zum scheinbar unerschöpflichen Thema abliefern.

Großes Publikum gibt es auch für Rebecca Raue. Bis zum 11. August wird sie gemeinsam mit einigen Künstlerkollegen die Stadt Berlin zum Ausstellungsort verwandeln. An ausgesuchten Plätzen wird auf den normalerweise für Werbung vorgesehenen Flächen diesmal Kunst gezeigt. Unter dem Motto: 'Kunst braucht Fläche' wird die Straße zum Museum. Eine lobenswerte Initiative.

 

Seit heute auch im Berliner Stadtbild: 'The body became space' von Rebecca Raue. Zu sehen an der
Stralauer- Ecke Alexanderstraße.

Am kommenden Sonntag wird Burkhard Held 60 Jahre alt. Uns verbindet eine langjährige Freundschaft. Vor genau 25 Jahren planten wir die Eröffnungsausstellung meiner Galerie. Mitten in die Vorbereitungen bot ihm der damalige Kurfürstendammstar, Dieter Brusberg, ein künstlerisches Leben ohne Not. Als junger Galerist konnte ich da nicht mithalten.  Wir haben das bei einem großen Bier besprochen und  für den Kudamm entschieden. Unserer Freundschaft tat dies keinen Abbruch. Seit langem gehört er 'wieder' zum festen Programm. Im Hintergrund berät er diesen Newsletter. In Sachen Fußball kann ihm keiner. Schade nur, dass  außer bei Hertha BSC nirgendwo guter Fußball gespielt wird.  Wenn es nach ihm geht, sind die gerade wiederaufgestiegenen Berliner die kommenden Meister. Gönnen wir's ihm. 

Mit einer Sonderausstellung, die in beiden Galerien gezeigt werden wird, wollen wir ihm die Ehre erweisen und Aktuelles aus dem Atelier zeigen. Diese wird in der Zeit vom 16. bis 23. Oktober gezeigt.

Euch wünsche ich ein besonderes Wochenende. Genießt es. Besser kann das Wetter kaum werden.

Michael