Michael Schultz Daily News Nr.472

Berlin, den 16. Juli 2013

Liebe Freunde,

mit dem Bekanntwerden von massenhaftem Doping unter den jamaikanischen Wundersprintern erlebt die verbotene Leistungssteigerungszufuhr eine längst fällige Generaldiskussion. Zu hoffen ist, dass durch diese die Einnahme von Wunderpillen  ganz schnell und legitim zum festen Bestandteil sportlicher Betätigung gehört. Nur dadurch kann  erreicht werden, was wir erwarten: Athleten, die die 100 Meter deutlich unter 7 Sekunden laufen; Radfahrer, die im Sattel sitzend Alpenpässe erklimmen und Pferde, die aus dem Stand 3.50 Meter überspringen. Auch die Reglementierung im Motorsport sollte aufgehoben werden. Das garantiert mehr Action und sichert  mehr Zuschauer, und diese generieren deutlich mehr Werbeeinnahmen. Der Wettbewerb wird fairer und ausgewogener.  Am Ende würden sogar noch die Krankenkassen davon profitieren; sie dürfen die Rekonvaleszenz der geschundenen Körper organisieren und auch finanzieren. Na, das wäre doch was. In ihrer Blütezeit werben die Sportler für 'Bayer' auf der Brust und gegen Ende eben dann  für die AOK. Die werbliche Ausschlachtung kann bis zum Karriereende betrieben werden. Den Athleten sichert dies ein sorgenfreies Sportlerleben.

Ja, so könnte es aussehen, und kaum jemand hätte was dagegen. Die ganze bigotte Antidoping-Diskussion hätte ein würdevolles Ende, und die Kultur der 'freien' Leistung (die es ohnehin schon gibt) würde legalisiert werden. Das wäre konsequent - so weiterwursteln wie bisher führt ohnehin zu nichts. Die Faszination der Superleistungen könnte endlich ohne Hintergedanken genossen werden.

Jeder der im Sport was werden will, wird schon recht früh mit leistungsfördernden Substanzen konfrontiert. Alles legal, weil im Kiosk um die Ecke zu haben. Es sind die sogenannten 'Energy'-Drinks, zu denen auch Red Bull und andere Anbieter gehören. Diese helfen müden Männern schnell wieder auf die Beine. So wird das Suchtpotenzial  in früher Jugend herangezüchtet  und später dann, bei extremeren Anforderungen,  werden die Mittel angepasst. Eine logische Entwicklung, die nur diejenigen nicht verstehen, die in ihrer Jugend Federball spielten und im Alter in sommerlicher Bekleidung und mit Skistöcken bewaffnet, durch die Landschaft traben. Dafür braucht man weder Red Bull, noch andere Amphetamine. Da reicht ne Cola light und ein Radlermaß. Doch, wenn sich Leistung lohnen soll, dann müssen die harten Sachen her. Warum also nicht legalisieren? Auf jeden Fall  würde das die Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb verbessern und jedermann gleichstellen.

Doch, ganz andere Sorgen hat der Bundesinnenminister Friedrich (CSU), der im Übrigen auch für unser Dopingsystem zuständig ist. Von seiner Amerikareise zurückgekehrt, wird er wegen seiner mageren Ergebnisse schwer gescholten. Mit den Amerikanern wollte er über das flächendeckende Ausspionieren in unserem Land reden. Was vorher schon klar war, ist eingetreten: bei Kaffee und Kuchen wurde über Freundschaft und Verpflichtung geredet. Vom Vizepräsident, und das war ihm ganz wichtig, gab es ein pressewirksames Schulterklopfen. Alleine schon für diese bescheidene Geste hat es sich für ihn gelohnt,  in die USA zu reisen. Kaum jemand im Land glaubt noch daran, dass die Tätigkeit des amerikanischen Geheimdienstes ohne Wissen der Bundesregierung möglich war. Doch die Karten werden nicht auf den Tisch gelegt, dies könnte das Wahlvolk irritieren. Auch die Politiker stehen im Wettbewerb und unter ihnen wird gedopt. Ihre leistungsfördernden Substanzen liegen in der Wahrheit. Doch das scheinen  viele vergessen zu haben.

Bei allem Übel zu unserer gläsernen Existenz gibt es auch was Gutes:  wenn wir dem amerikanischen Präsidenten was zu sagen haben, dann können wir unsere Petitionen über Facebook an unsere Freunde senden. Die Spionagesuchmaschinen werden unser Anliegen sofort erkennen und dieses ohne weitere Aufforderung direkt ins Weiße Haus weiterleiten.  Es gibt keinen sichereren und schnelleren Weg. Nur eines können wir nicht - auf Antwort warten. Das zu verlangen, wäre auch zu viel.  

Richtig gut ist die Dresdner Initiative 'alles Jute'. Dort kümmert man sich um die durch das Hochwasser geschädigten Kulturprojekte. Zu diesem Zweck werden die zurückgelassen Jutesandsäcke gereinigt und zu Schultertaschen umgebaut. 876 Stück sollen zu einem Mindestpreis von 8,76 Euro unters Volk gebracht werden. Stückzahl und Preis erinnern an die Höchstmarke des diesjährigen Hochwassers. Eine lobenswerte Initiative, die einen entspannten Blick in unseren sonst so 'geschundenen' Alltag vermittelt. Die Einnahmen werden in Gänze der Kultur zugutekommen.

Telefonisch wurde uns heute in der Früh mitgeteilt, dass  die Ausstellung von Kim Sangyeon in der koreanischen Presse positiv und ausführlich besprochen wird.  Sobald die Artikel bei uns eintreffen, stellen wir diese ins Netz. Im Onlinemagazin 'artparasites' gibt es einen kleinen Vorgeschmack hierzu.

Nachzulesen ist dieser unter:  http://berlin.artparasites.com/recommended/berlins-best-art-spaces-charlottenburg-1211

Morgen kommen die News aus München. Bis dahin sende ich beste Grüße.

Michael