Michal Schultz Daily News Nr.316

Istanbul, den 23. November 2012

Liebe Künstler,

heute vor 20 Jahren kamen bei einem Brandanschlag mit rechtsradikalem Hintergrund drei Menschen ums Leben und neun weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Tat geschah in Mölln und die Toten und Verletzten waren Gastarbeiter, die allesamt aus der Türkei stammten. Die beiden deutschen Täter haben ihre Strafe verbüßt und sind auf freiem Fuß.
In der Türkei erinnert man heute an das Geschehen von damals. Aber nicht nur Mölln gilt als Synonym für Ausländerfeindlichkeit: In Rostock, Hoyerswerda, Solingen, Lichtenhagen und in vielen anderen deutschen Orten wurden, und werden noch immer, Menschen wegen ihrer Herkunft und ihres Glaubens geächtet und verfolgt. Auch wenn man das nicht wahrhaben will; es ist leider so.
Die Gastfreundschaft und die ungewöhnliche Höflichkeit, mit der man sich hier begegnet, haben ihre Wurzeln in einer Hochkultur, auf die wir Deutsche neidvoll blicken dürfen. Es ist ein stolzes Volk und dieses gilt es zu respektieren. Auch in Deutschland, oder eben gerade besonders dort.
Heute pilgern die Menschen zum Freitagsgebet in die Moscheen. Der Frieden ist in dieser Zeit ein allgegenwärtiges Thema; auch für die Imame. Man wird an Mölln erinnern und man wird auch von Ehre und Vergeltung sprechen. Das gehört zur tiefen Symbolik des Islam. Man beklagt damit das zu ertragene Leid.
Zu hoffen bleibt, dass auch wir in Deutschland den heutigen Tag zur Ermahnung nutzen, dass sich diese widerlichen Schandtaten nicht wiederholen mögen und wir fortan mit dem gleichen Respekt den Fremden begegnen, wie diese uns.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein besinnliches Wochenende und sende beste Grüße aus Istanbul.

Michael