Michael Schultz Daily News Nr.756

Michael Schultz Daily News Nr.756

Berlin, den 1. September 2014

 

die gestern in Sachsen stattgefundene Wahl brachte überraschende Ergebnisse. Insbesondere gilt dies für das Abschneiden der rechtspopulistischen AfD, die mit 9,74% und 14 Abgeordneten in den neuen Sächsischen Landtag einzieht. Die Rechtsradikalen der NPD dagegen sind mit 4,95% äußerst knapp gescheitert und damit vom parlamentarischen Geschehen künftig ausgeschlossen. Dasselbe Schicksal ereilte die Freien Demokraten, denen es nicht gelang, ihre erfolgreiche Regierungsbeteiligung dem Wahlvolk näher zu bringen. Nur noch 3,78%  trauten der FDP; zu wenig, um ihre Politik fortsetzen zu können. Die Grünen verloren auch, schafften aber mit 5,73% den erneuten Einzug ins Parlament. Äußert knapp verpasste die CDU den Sprung über die 40% Hürde; mit 39,41% wurden die Christdemokraten klarer Wahlsieger, aber dennoch ist dies das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der sächsischen CDU. Die Linke verlor rund 2% und kam noch auf 18,91%. Unter den Etablierten gewann einzig die SPD, sie legte knapp 2% zu und kam auf 12,36% der Wählerstimmen. 

Summa Summarum rückt Sachsen ein großes Stück weiter nach rechts. Wofür im Wahlkampf geworben wurde, wird jetzt in der Landespolitik umgesetzt: die AfD übernimmt die Position der NPD. Damit sind sie weitaus gefährlicher, weil sie ihren Rechtspopulismus besser verpacken können und mit dieser Mogelpackung reichlich Stimmen aus dem Bürgertum eingefangen haben. Zählt man die Anteile der AfD und der NPD zusammen, so gingen in Sachsen rund 15% des abgegebenen Wählervotums nach stramm rechts. Das ist beängstigend. Doch wenn man das bekannt unzufriedene Protestpotential der Linken hinzurechnet, dann wurde in Sachsen mit etwas über 33% gegen das Establishment gestimmt. Dieses wieder ins Lot zu bringen, sollte ein Hauptaugenmerk der kommenden Regierung sein.  

Vom Rechtsruck hoffentlich unbelastet wird das sächsische Kulturgeschehen auch künftig wichtige Akzente setzen. Derzeit gibt die Galerie der Neuen Meister einen Einblick in ihren Bestand zeitgenössischer Kunst. Die Schau 'Architekt - Busdriver - Zwei Brücken' vereint rund 70 Werke; darunter Arbeiten von Georg Baselitz, Marlene Dumas, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Thomas Scheibitz. Anlass ist das zwanzigjährige Bestehen der Gesellschaft für Moderne Kunst.      

Heute wird amtlich, was schon lange beschlossen ist: Deutschland liefert Panzerabwehr-Raketen und weitere Waffensysteme an die Kurden. Der Bundestag berät zwar nochmal über die geplante Waffenlieferung, es wird auch eine Abstimmung geben, doch an diese ist die Regierung nicht gebunden. Die Entscheidung ist getroffen, es werden Waffen im  Volumen von 70 Millionen Euro geliefert. 

 

Auf Initiative einer rheinischen Sammlerfamilie  wurden am vergangenen Freitag unsere Galerieräume in ein ,Drei Sterne Restaurant' verwandelt. Geladen waren fünfzig Gäste; Sammler, Künstler und Freunde aus Wirtschaft und Politik. Ehrengast war Edi Rama, Ministerpräsident von Albanien, der wohl einzige Staatschef, der als anerkannter Künstler auch aktiv ist. Unter dem Motto 'Das Weiße Pferd' wurden die besten Jahrgänge des gleichnamigen Bordeaux Wein verköstigt. Zur Vorspeise wurde mit Trüffel garnierter Mango- und Löwenzahnsalat gereicht. Der Hauptgang bestand aus mit Beluga belegtem Kalbskotelett. Zum Nachtisch gab's einen von Künstlerhand gebackenen Schokoladenkuchen. Ein für alle Sinne anregender Abend, der für die Tapfersten am nächsten Morgen gegen 10 Uhr zu Ende ging. 

Um die Wurst im wahrsten Sinne des Wortes geht es augenblicklich in einer Duisburger Erwin Wurm Ausstellung. Noch bis zum 29. September sind im Lehmbruck Museum groteske Wurst Skulpturen des österreichischen Künstlers zu sehen. Mit Wurstärmchen und Wurstbeinchen parodieren sie respektlos moderne Klassiker der Bildhauerei - von Rodin bis Giacometti. Sehenswert.

Am Wochenende wurde auch Fußball gespielt. Bemerkenswert ist der Paderborner 3:0 Erfolg in Hamburg, und die fast Niederlage der Bayern (1:1) in Schalke. Alles andere wurde, wie erwartet, erledigt; auch der 2:0 Sieg der Kölner in Stuttgart.