Michael Schultz Daily News Nr. 792

Michael Schultz Daily News Nr. 792

Berlin, den 21. Oktober 2014

 

mit dem direkten Übergang vom Streik der Lokführer zu den Piloten der Lufthansa und vermutlich in der kommenden Woche wieder zurück zu den Lokführern, leistet sich unser Land gerade ein großes Luxusproblem. Besonders das Anliegen der Piloten, die an ihrem Status mit 55 Jahren und mit rund 60% der Bezüge in den bezahlten Vorruhestand gehen zu dürfen festhalten wollen, findet in der Bevölkerung kaum Verständnis. Die Lufthansa will wegen der damit verbundenen hohen Kosten die Altersgrenze schrittweise auf 61 Jahre hochsetzen. Dagegen wehren sich die Flugzeugführer, und weiten den gestern mit Inlandflügen begonnenen Streik heute auch auf internationale Strecken aus. 

Seit 8 Uhr in der Früh werden neben den Kurz- und Mittelstrecken auch Interkontinentalflüge bestreikt. Das Ganze soll bis Mitternacht andauern. In Frankfurt stellt die Lufthansa aus diesem Grund ihren Flugbetrieb fast vollständig ein. Von München aus sollen nach Angaben der Airline ungefähr die Hälfte aller Fernflüge starten, und von Düsseldorf aus sogar alle, doch es fehlen die Zubringer. Rund 166.000 Passagiere sind durch den Streik betroffen.

Wegen der Streiks bei der Deutschen Bundesbahn und der Lufthansa warnt Verkehrsminister Dobrindt vor negativen Folgen für die Konjunktur. Die deutschen Verkehrswege seien 'das zentrale Nervensystem des Landes', sagte der CSU-Minister der 'Bild'. Eine 'Dauerblockade' wird der Konjunktur erhebliche Schäden zufügen. Die Kanzlerin erklärte angesichts anhaltender Streiks, 'dass es viele gute Gründe gibt, ein Gesetz zur Tarifeinheit zu verabschieden.'  Ein Reizwort vieler kleinerer Gewerkschaften, die alles tun, um ihre Pfründe zu sichern; nicht nur für die Mitglieder, im Besonderen für ihre Vorsitzenden.

Besondere Abneigung bekommt derzeit Claus Weselsky zu spüren. Wenn der Chef der kleinen Lokführergewerkschaft GDL in der Öffentlichkeit auftritt, und das tut er gerne und oft, vermittelt er ziemlich penetrant das Gefühl, dass es ihm mehr um seine Eitelkeit als um eine gerechte Entlohnung der Lokführer geht. Großzügig hat er für sieben Tage den Streik ausgesetzt; man will jetzt miteinander reden, notfalls auch ohne Inhalte. Das zumindest verkündete er in den vergangenen Tagen. Das 'Empörungspotential' ('SZ') ist groß, erst wird gekämpft und dann wird vielleicht geredet. Mit seinem Verhalten liefert Weselsky die besten Gründe für die Einführung eines Tarifeinheitsgesetzes. 

Die Künstler unter uns nutzten den Bahnstreik für einen Graffiti-Großeinsatz. Neunundsechzig S-Bahn-Wagen und sieben Regionalzüge sind während der Streiks besprüht worden. Die abgestellten Züge als Folge des Lokführerstreiks hätten die Sprayer offensichtlich animiert, teilte die Bundesbahn mit. Auf frischer Tat gefasst wurden sieben Aktivisten. Sie erhielten Anzeigen wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung. Insgesamt sei eine Fläche 1.400 Quadratmetern Zugfläche besprüht worden.

Wer heute trotz gebuchten Flugs nicht weiter kommt, oder wenn sich der Flug um mehr als fünf Stunden verspätet, darf zwei Möglichkeiten in Anspruch nehmen: man darf den Ticketpreis zurück fordern, oder von der Lufthansa verlangen, dass man auf anderem Weg an sein Ziel gebracht wird. Dabei kommen Umbuchungen oder auch alternativ die Bahn in Frage. Das EU-Recht schreibt vor, teilt die 'ARD' dazu mit, dass eine Fluglinie bei einem Ausfall der Verbindung die Passagiere während der Wartezeit betreuen und verpflegen muss. Das kann auch eine Hotelübernachtung miteinschließen. Ab wann allerdings die Betreuungspflicht gilt, hängt von der Flugstrecke ab. 

Von morgen an kommen für den Rest der Woche die Daylies aus Köln. Dort beteiligen wir uns mit unserem jungen Programm an der 'Art Fair', einer Messe die für junge Kunst steht.