Michael Schultz Daily News Nr. 787

Michael Schultz Daily News Nr. 787

Berlin, den 14. Oktober 2014

 

unter der Überschrift 'Die Bilderflut erreicht die Insel' schreibt die 'Süddeutsche' letzten Samstag u.a.: 'Wenn man die Gesundheit des Marktes am Gewicht der Auktionskataloge ablesen könnte, so musste man zum Schluss kommen, dass er wohlgenährt ist wie kaum zuvor. Fast 12 Kilogramm bringen die Bücher der Oktober-Auktionen bei Christie's und Sotheby's in London auf die Waage.'  Viel Schwergewichtiges kommt unter den Hammer; die unterste Gesamtschätzung der Auktionswoche liegt bei fast 200 Millionen Britischen Pfund.

Gestern Abend begann der Auktionsreigen mit der Versteigerung von 44 Werken aus der Sammlung der in Schieflage gekommenen österreichischen Unternehmerfamilie Essl. Lediglich vier Kunstwerke blieben liegen, für die restlichen 40 wurde ein überzeugendes Ergebnis von über 66 Millionen Euro erzielt. Den größten Erfolg erzielten zwei Werke von Gerhard Richter; der mit 'Wolken' betitelte Vierteiler aus dem Jahre 1970 brachte 7,9 Mio. Euro ein und für das abstrakte 'Netz' aus dem Jahre 1985 wurden rund 7 Mio. Euro bewilligt. Alleine diese beiden Kunstwerke erwirtschafteten ca. 22% des Gesamtergebnisses. Weitere Arbeiten von Gerhard Richter werden im Verlaufe dieser Woche in London unter den Hammer kommen. 

Gute bis sehr gute Ergebnisse wurden gestern Abend auch für einige Leinwände von Georg Baselitz erzielt; seine 'Fingermalerei' kletterte von 800.000 auf 1.5 Mio. Britische Pfund. Sigmar Polke jedoch war neben Gerhard Richter der einträglichste Künstler; eines seiner Großformate stieg von 1,5 Mio. auf satte 5,12 Mio. Pfund. Die beiden österreichischen Auktionsteilnehmer spielten im Gesamtergebnis keine überragende Rolle;  Maria Lassnigs  'Zwei Maler drei Leinwände' brachte 182.500 Pfund und Friedensreich Hundertwassers 'Der siebte Bezirk'  immerhin noch 266.000 Pfund. Enttäuschend auch das Ergebnis für das großformatige 'Bergfest' von Neo Rauch, mit gerade mal 542.000 Pfund (inkl. Aufgeld) wurde die untere Schätzung gerade mal erreicht. Gut im Rennen auch waren die Angebote von Martin Kippenberger, sein Selbstporträt 'Meine Lügen sind ehrlich' schaffte es auf 2.882.000 Pfund.

Zum Auftakt also gab es ein zufriedenstellendes Ergebnis; eine sichere Stimulanz für die weiteren Auktionen. Ob nun die Versteigerungen oder die in dieser Woche ebenfalls stattfindende 'Frieze'-Kunstmesse London zum Nabel der Kunstwelt machen, bleibt dahingestellt; sicher ist, dass niemand der im Kunstbusiness aktiv ist, darum herum kommt, dieser Tage dort zu verweilen. Natürlich war es die Anziehungskraft der 'Frieze', die das verschlafene Kunstnest zum Erwachen brachte. Die Flanken wurden von Christie's und Sotheby's übernommen - besser kann es kaum noch gehen. Drumherum hat sich ein 'weites Feld von Events und Parallelmessen' (SZ) etabliert; die Themsemetropole steht in dieser Woche im Zentrum der Weltkunst.  

Doch auch anderswo in der Welt geschieht in Sachen Kunst Wichtiges: die Chemnitzer Kunstsammlungen z.B. zeigen erstmals in Europa eine hier bisher noch nicht gesehene Bilderreihe zum Thema Tod von Andy Warhol. Unter dem Titel 'Death and Disaster' sind Darstellungen des Todes von Warhol zu dieser Thematik zu sehen.  Darunter Meisterwerke die unter den Titeln 'Skull', 'Big Electric Chair', 'Race Riot' und 'Tunafish Disaster'  in die Kunstgeschichte eingingen. Es sei nicht nur die erste museale Präsentation der bedeutendsten Werkgruppe Andy Warhols in Europa, teilt das Museum mit, es ist auch die erste Ausstellung des Künstlers im östlichen Teil Deutschlands überhaupt. (bis zum 22. Februar 2015)

 

Gleich in ihrer ersten umfasssenden Museumspräsentation im Musée d'art Moderne de Saint Etienne haben die Franzosen sich für die Kunst von Cornelia Schleime begeistert. Vergangenen Freitag wurde eröffnet, im Beisein der Kollegen Rebecca Horn und Jannis Kounnellis. Auch das eine Verneigung vor ihrer Leistung. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Januar kommenden Jahres zu sehen.

In Sachen Gurlitt ist zu hören, dass das Kunstmuseum in Bern die Annahme des Erbes weiterhin prüfen wolle. Man befinde sich in Gesprächen mit der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat  Bayern, wurde mitgeteilt, bis zum 26. November wolle man sich entscheiden. Anscheinend ist die Annahme des Nachlasses wegen zu erwartender weiterer Restitutionsansprüche weitaus problematischer als erwartet.

Indonesien wird im kommenden Jahr das Buchmessengastland, teilten die Organisatoren zum Ende der diesjährigen Veranstaltung mit. Literatur und Kultur des Inselstaates sollen dann flächendeckend bei uns bekannt werden; so zumindest sieht es das indonesische Organisationskomitee. 'Wir versprechen: das nächste Jahr wird heiß' lassen sie aus der Ferne verlauten.

Bei uns beliebt es vorläufig so wie es ist: trotz eines dreigeteilten Tiefs reicht der Zyklon nicht aus, um uns das Wetter zu vermiesen.

 

 

 

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