Michael Schultz Daily News Nr. 775

Michael Schultz Daily News Nr. 775

Berlin, den 26. September 2014

 

wenn bereits am kommenden Sonntag Wahlen für die Zusammenstellung eines neuen Bundestages abgehalten werden würden, dann käme die FDP nur noch auf knapp 3%. Es geht stetig nach unten und der Abwärtstrend, der einst selbstbewussten und stolzen Partei ist kaum mehr aufzuhalten. Enttäuschte und abtrünnige FDP-Mitglieder gründeten jetzt in Hamburg als neues Auffangbecken die Partei "Neue Liberale". Am Sonntag will sie sich auf einem Parteitag erstmals der Öffentlichkeit präsentieren. Die Partei könnte bei der Bürgerschaftswahl im Februar 2015 antreten. Neben unzufriedenen FDP-Anhängern, gebe es auch Interessenten aus Richtung der Piratenpartei, schreibt der 'Tagesspiegel' heute dazu. 

Mit der Neugründung in Hamburg zerflattern sich die Liberalen auf ein Neues, als Partner für bürgerliche Koalitionen kommen sie damit so schnell wohl nicht mehr auf die Beine. Lange wird es deshalb kaum mehr dauern und die Rechtsaußen der AfD werden zu Sondierungsgesprächen geladen. Spätestens dann wird man die FDP sträflich vermissen. Der AfD würden augenblicklich 8% ihre Stimme geben, Grüne und Linke kämen jeweils auf 10%, die SPD auf 25% und die CDU auf 39%. In einer weiteren Umfrage wurde über die Bedrohung durch radikale Islamisten nachgefragt: 49% aller Deutschen haben demnach Angst vor ihnen. Für die Menschenfischer der AfD ein riesiges Angelgebiet.

Zum Thema Kunst gibt es immer wieder die verrücktesten Ausführungen. Schlimm wird es, wenn sich Populisten ans Werk machen und der Welt die Hintergründe der Moderne erklären. Unter dem Synonym 'Die Klugscheißerin' veröffentlichte das GMX Magazin gestern einen Beitrag, der so daneben ist, dass wir ihn nicht vorenthalten können. Hier klicken und es sprudelt Wissenswertes aus der Welt ganz schlauen: 
http://www.youtube.com/watch?v=V2SbzijLbMM&list=UUySxeQ0avHLwZhys1J4J7Zw

Das Beste was zur Erklärung von Kunst jemals von sich gegeben wurde, war der Eintrag ins Gästebuch einer Hamburger Ausstellung. Dort stand geschrieben: Kunst ist das was man nicht kann - denn sonst wär es doch keine Kunst. Für diesen Fall die beste Erklärung.  

Missgunst und Neid sind Eigenschaften, die sich in sämtlichen Schichten unserer Gesellschaft eingenistet haben. So auch unter den Kunstschaffenden, die sich mitunter vehement befehden. Dass es auch anders geht, zeigt das Kunstmuseum Bonn. Dort wird noch bis zum 4. Januar kommenden Jahres eindrucksvoll die freundschaftliche Beziehung zwischen August Macke und Franz Marc dokumentiert. In Bildern, Briefen und Reisedokumenten wird 'die wohl schönste Künstlerfreundschaft des 20. Jahrhunderts dokumentiert', so Kurator Volker Adolphs. 

Im Brüsseler Bozar Museum ist derzeit eine umfangreiche Werkschau mit rund 160 Arbeiten von Peter Paul Rubens zu sehen. Unter dem Titel 'Sensation und Sinnlichkeit. Rubens und sein Vermächtnis' werden seine Impulse auf ganze Generationen von Künstlern offengelegt. Zu den Malern, die ihre Inspiration in der Bildsprache des flämischen Altmeisters erhalten haben, gehören u.a. Watteau, van Dyck, Delacroix, Manet, Picasso, Klimt und Kokoschka.(Centre for Fine Arts, Rue Ravenstein 23 , 1000 Bruxelles.)

Dass Kunstschaffende ihren Meister auch gerne am Herd abgeben stellt heute Abend in seinem Düsseldorfer Atelier Stephan Kaluza unter Beweis. Für 50 geladene Gäste gibt's Deftiges mit feiner Nadel geschnürt. Seine polnischen Wurzeln lassen nichts anderes zu; dass er es kann, konnte er schon mehrfach zeigen. Seine Interpretation zum 'Falschen Hasen' wird wohl das Aufregendste für die kulinarisch weniger verwöhnte geschlossene niederrheinische Abendgesellschaft. 

Am Sonntag dann gehen wir es ein wenig sportlicher an. In Berlin veranstalten wir unseren alljährlichen 'Art Scramble'. Ein Golfturnier, in dem nicht jeder gegen jeden spielt sondern alle für sich. Auch das gibt es. 

Wie es ausging, und über alles andere was sonst noch am Wochenende passiert ist, informieren wir am Montag. Bis dahin.