Michael Schultz Daily News Nr. 774

Michael Schultz Daily News Nr. 774

Berlin, den 25. September 2014

was Friedensaktivisten sich lange schon wünschten könnte sich derzeit bewahrheiten: 'Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin'. Die Parole einer ganzen Generation steht auf dem Prüfstand; doch nicht weil niemand in den Krieg ziehen will - es geht einfach nicht. Schuld daran sind die maroden Kriegsgeräte, jetzt wo es darauf ankommt, versagt das Material. In Bulgarien sitzen deutsche Soldaten fest, weil ihr Flieger auseinander zu fallen droht. Bereits beim Start am Freitag mussten deutsche Militärausbilder viele Stunden warten, um dann die Transportmaschine wegen Totalausfall wieder zu verlassen. Später konnten sie zwar mit einer Ersatzmaschine starten, doch auch diese versagte ihren Dienst, und so strandeten die Militärs in Bulgarien. Der jetzt bereitstehenden dritten Maschine genehmigte der Irak noch keine Landeerlaubnis.

Das Ziel war und ist die Stadt Erbil, dort sollen die Militärs kurdischen Soldaten bei der Handhabe einer deutschen Waffenlieferung behilflich sein. Aber auch diese konnte wegen defekter Transportgeräte noch nicht in das Krisengebiet gebracht werden; nicht auszuschließen, dass die gesamte Lieferung so mangelhaft ist, dass sie nicht zum Einsatz kommt. Viele andere Fragen des Einsatzes sind noch ungeklärt; das größte Problem sei die Sprache, es fehlt an Dolmetschern, an Unterkünften und überhaupt an einem kompletten Ablaufplan. 'Wir wissen noch gar nichts' zitiert die 'Neue Züricher Zeitung' in ihrer heutigen Ausgabe einen 26-jährigen Ausbilder.    

Doch die Bundeswehr hat noch größere Probleme mit ihrem Material, vermeldet dazu die 'Süddeutsche'.  Von 254 Kampf- und Transportflugzeugen der Luftwaffe müssen aktuell 150 am Boden bleiben. Zahlreiche 'Tiger'-Kampfhubschrauber  und der Transporthubschrauber NH90 seien 'nicht versorgungsreif'. 110 der 180 vorhandenen gepanzerten Transportfahrzeuge 'Boxer' sind in der Instandsetzung. Unter Druck geraten musste die zuständige Ministerin von der Leyen zugeben, dass die Bundeswehr Material habe, 'das schon einige Jahre auf dem Buckel hat', und nicht wirklich einsatzfähig ist. Ihre Partei legt nach,  fordert mehr Panzer und wirbt nun für ein neues Bundeswehr-Panzerbataillon. 

Dass das Material den Deutschen den Krieg verweigert, ist das Schlechteste nicht. Zumindest ist es ein gutes Zeichen. Ausgeprägte Roststellen auf den Kriegsgeräten bestätigen, dass die Außenpolitik unter Gerhard Schröder, fortgesetzt von Guido Westerwelle, die sich beide so gut es ging der Beteiligung von Kriegen verweigerten, sichtbare Früchte trägt. Jetzt muss zusammengeflickt oder verschrottet werden. Bessere Signale für den Frieden kann es eigentlich gar nicht geben.  Kriege zu verhindern ist kaum möglich; diese aber ohne Waffen auszutragen, wäre mal eine zu überprüfende Option. Der Bundeswehreinsatz im Ebola-verseuchten Westafrika ist ein erster Anfang.

Beim Sport, und dort besonders im Fußball, das wissen wir, wird mitunter schwer gekämpft. Die 'Schlachten' werden auf dem  'Schlachtfeld' ausgetragen, und mit den  'Schlachtrufen' ihrer 'Schlachtenbummler' werden die Kämpfer angetrieben.  Nicht immer wird auf den Ball getreten, wenn es absichtlich mal in die Weichteile geht, gibt's harte Strafen. So gesehen ist der kleine Krieg auf dem Fußballplatz eine gut funktionierende Alternative. Wer aus der Reihe tanzt darf nicht mehr mitspielen, er wird gesperrt, wenn es sein muss gar lebenslänglich. Wegen grober Unsportlichkeit wurde dazu gerade ein Kreisligaspieler aus der Nähe von Essen verurteilt. Dieser hatte seinen Gegenspieler mit einem Kopfstoß zu Fall gebracht und anschließend dem auf dem Boden Liegenden mehrfach gegen den Kopf getreten. Spielverbot auf Lebenszeit.

In der Bundesliga geht es gesitteter zu. Endlich haben sich die Bayern wieder an die Tabellenspitze geschossen. Gegen den bisherigen Spitzenreiter aus Paderborn gab es vorgestern ein 4:0, und das reichte für die Spitze. Am Samstag muss die Münchner Übertruppe zum 1.FC nach Köln, danach kann es schon wieder anders aussehen. Schade nur, dass der deutsche Fußball derzeit so wenig polarisiert. Ein bisschen mehr Dampf auch außerhalb Münchens täte der Liga gut.