Michael Schultz Daily News Nr. 767

Michael Schultz Daily News Nr. 767

Berlin, den 16. September 2014

 

am 5. September wurde in Berlin Cornelia Schleimes Erzählungsband 'Das Paradies kann warten' vorgestellt. Es war ein ungewöhnlicher Abend, an dessen Ende und nach vorheriger Befragung des Publikums sich die Autorin weigerte eine weitere Kurzgeschichte vorzulesen. Mit 'Jetzt ist Schluss, ich muss erst mal eine rauchen.' beendete sie die vom Berlinale-Chef Dieter Kosslick lebhaft moderierte Diskussion.  Mit schwäbischer Präzision und gewohnt charmant setzte dieser mehrmals zum Tiefgang an, doch Cornelia Schleime ließ nur zu, wonach ihr gerade war. Man schob sich die Bälle hin und her, es wurde viel geredet, zum Schluss gab es braven Applaus.

Vielleicht war es  der ungewöhnliche Ort, eine Filiale der Deutschen Bank, der keine richtige Stimmung zum wirklichen Tiefgang zulassen wollte. Vielleicht hätte es aber auch nur noch ein wenig Zeit gebraucht, um auch den Ort von den meist sanft töricht verfassten Erotismen der Schleime zu beseelen. Am Ende gab es Kaffee und Kuchen, belegte Schnittchen und ein Gläschen Sekt; geraucht werden durfte nicht. So stellt sich der Wessi den Osten vor.

Erlebte Literatur, die erst im Nachgang und bei der Betrachtung der Umstände zum Hochgenuss wird. Sich in Szene zu setzen, das ist beiden gelungen. Was bleibt, ist eine Ansammlung gut beobachteter Erzählungen, deren Geschichten - so Nicola Kuhn im 'Tagesspiegel' - 'witzig, lakonisch, traurig und erotisch' sind und 'deren Stoff das eigene Leben ist'. 

Die Kritik reagiert durchweg positiv auf den neuen Schleime-Band. Dass es nach 'weit fort' nicht zu dem erhofften weiteren Roman gekommen ist, sondern eben nur zur Ansammlung kleiner Erzählungen, enttäuscht nicht im Geringsten. 'Cornelia Schleimes Storys besitzen eine Kraft, in der die kleine Form groß erscheint', so der 'Tagesspiegel' in seiner Buchbesprechung. (Nachzulesen im Newsticker auf unserer Webseite www.schultzberlin.com). Vergangenen Sonntag erschien in der  'Berliner Morgenpost' ein ganzseitiges Portrait über die vielseitige Künstlerin, auch dieses ist in Gänze auf unserer Webseite nachzulesen. 

Am Sonntag hatte es noch nicht so ausgesehen, doch gestern Abend wurde bestätigt, was wir am Morgen schon befürchtet hatten: nach enttäuschendem Saisonstart hat sich der HSV von seinem Trainer Mirko Slomka getrennt. Bereits im Trudeln sind auch die Positionen bei Hertha BSC, auf Schalke und beim VFB in Stuttgart. Punkte müssen her, und wenn die nicht eingespielt werden sind auch dort die Trainer ganz schnell ausgewechselt. Gut, dass wir im wirklichen Leben ein bisschen mehr Zeit haben.

Aus dem Verkehr gezogen wurde auch der chinesische Berlinale Preisträger Wang Quan'an. Die Polizei in Peking erwischte ihn beim Techtelmechtel mit einer Prostituierten, die vermutlich nicht zu den Angestellten der vom Militär kontrollierten Puffs gehörte. Obwohl Prostitution ist in China verboten ist, ist  der 'Service' allgegenwärtig. Anscheinend hat aber nur das Militär eine offizielle Lizenz bekommen; wer zur Konkurrenz geht wird verhaftet. 

Über Uli Hoeneß ist zu hören, dass er sich in Kürze wieder unters Volk begeben darf. Sein Gefangenenstatus wird verändert; tagsüber kann er seinen Geschäften nachgehen, den großen Rest seiner Strafe darf er als 'Freigänger' im Schlaf absitzen. Zu seiner Rückkehr ins Berufsleben haben sich die Nürnberger Wurstmetzger was Witziges einfallen lassen: unter dem Titel '9 cm Nürnberg' wird ab dem 24. September die Kulturgeschichte der Bratwurst aufgezeichnet. In der Schau soll die Stadtgeschichte aus der 'Bratwurstperspektive' präsentiert werden, von der frühen handwerklichen Produktion bis hin zur industriellen Fertigung. Uli Hoeneß gehört zu den ganz Großen seiner Zunft, in seiner Wurstwarenfabrik werden täglich bis zu vier Millionen Original Nürnberger Bratwürste produziert. Wenn es denn so kommt wie es sich die Kuratoren wünschen, und Hoeneß wieder im Dienst ist, dann wünschen sie sich niemand dringlicher als ihn für die  Begrüßungsrede. Könnte sein erster großer öffentlicher Auftritt werden.

Gönnen wir's ihm.

 

 

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