Michael Schultz Daily News Nr. 766

Michael Schultz Daily News Nr. 766

Berlin, den 15. September 2014

 

der Münchener Saisonauftakteröffnungsmarathon 'Open Art'  hat Kunstfreunde und Sammler in Scharen in die bayrische Residenzstadt getrieben. An 65 verschiedenen Standorten wurde am Freitagabend eröffnet, und die Galerien hatten über das gesamte Wochenende geöffnet. Sogar am Sonntag noch, so wurde berichtet, war der Zuspruch deutlich zu spüren. In München hat man verstanden, worauf es ankommt, und das scheint ja auch der Garant für den Erfolg zu sein: nur gemeinsam sind wir stark. Unter diesem alles verbindenden Motto ging man ans Werk, und was dann dabei heraus kam, konnte sich sehen lassen.

Besonders gelungen war die Einzelpräsentationen bei Fred Jahn mit Katharina von Werz; bei Filser & Gräf mit neuen Arbeiten von Rainer Gross; die Ausstellung von Goshka Macuga bei Rüdiger Schöttle, aber auch die fundamentale Malerei von Raimund Girke in der Galerie von Florian Trampler. Sehenswert und erfolgreich auch die Präsentation von Maik Wolf bei MaxWeberSixFriedrich. Einer wirklichen Sensation gleicht das Ergebnis von Rebecca Raue in der Galerie Kampl: Elf von dreizehn ausgestellten Malereien aus der Ausstellung 'leise leben denken' fanden am Eröffnungstag ein neues zu Hause.

Die ganz Mutigen, und das waren die meisten Teilnehmer der 'Open Art', eröffneten mit einer Solopräsentation ihre Saison. Dort wo die 'New Masters' in überbordenden Gruppenausstellungen angepriesen wurden, waren zwar die Galerien gut gefüllt, gepunktet allerdings wurde dort recht sparsam. Nach wie vor belohnen die Sammler den Mut und das Engagement der Galeriebetreiber - je deutlicher das Bekenntnis zum eigenen Programm desto ergiebiger das Ergebnis.

Die 'Open Art' hat auch bewiesen, dass das Ausgrenzen von Marktteilnehmern auf lange Sicht nichts bringt. Wachstum, und den benötigt der Kunstmarkt mindestens genau so heftig wie viele Industriezweige, Wachstum generiert sich im Kunstmarkt hauptsächlich aus der Akquise neuer Kunden. Weil aber der Zugang zum Establishment bei vielen der Altvorderen durch unsichtbare Barrieren erschwert wird, fühlen sich die Neueinsteiger dort wohl, wo man sich zum Gruße nicht hinter einer Zeitung versteckt. Letztlich profitiert die gesamte Branche von der neuen Offenheit jüngerer Kollegen. Wer erst mal die Schwellen überschritten hat, findet auch ganz schnell den Weg zu den Etablierten. Doch diese scheinen vergessen zu haben, wie sie einst selbst den Markt erobert haben. Wer heute nur noch pflegt und verwaltet, dem fehlt am Ende bei der eigenen Trauerfeier das Publikum. Aber manche mögen‘s vielleicht gar nicht anders.

Nach vorne geht es wieder im Fußball. Die Bundesliga ist Gott sei Dank wieder aktiv: An der Spitze stehen Leverkusen, die Bayern und Hannover 96. Ganz am Ende wird es jetzt schon eng für die Trainer vom HSV, von Stuttgart und bei Schalke 04. Bei den Herthanern in Berlin muss nicht nur der Trainer ausgewechselt werden, dort ist auch eine längst fällige Veränderung im Management notwendig. Das beste Beispiel für unprofessionelle Personalpolitik ist die Abgabe von Sami Allagui nach Mainz; gleich im ersten Spiel für seinen neuen Verein zeigte er eindrucksvoll (an alter Wirkungsstätte im Berliner Olympiastadion), was in ihm steckt, wenn man ihn denn spielen lässt. Dank seiner Spielimpulse verlor die alte Dame Hertha verdient mit 1:3. Zeit für die Auswechslung auf der Trainerbank bleibt kaum noch.

'Die AfD ist keine Protestpartei', sagt Manfred Güllner vom Berliner Forsa Institut, 'sie wird gewählt von einem Milieu, das man als rechtspopulistisch bis rechtsradikal identifizieren kann.‘ Deutliche Worte zu einem Phänomen, das augenblicklich unsere Republik überzieht. Auch gestern wieder sind die Radikalen in Thüringen mit 12,2% und in Brandenburg mit 10,8% der Stimmen in die Landtage eingezogen. Mit ihrem Programm polarisieren sie, und das ist es, was den Großen abhandengekommen ist. In der Mitte des Denkens tummeln sich CDU, SPD und mittlerweile große Teile der Grünen; die FDP gibt es nicht mehr, und das macht die Spielräume für Populisten, die Themen besetzen können, so einfach. Die AfD zu ignorieren und sich mit deren Programmatik nicht auseinanderzusetzen, ist das Falscheste, was man gerade machen kann. Wegen ihrem bürgerlichen Mäntelchen, hinter dem sich das Personal der AfD versteckt, sind sie weitaus gefährlicher als die Proleten von der NPD, denen ihr Gedankengut im Gesicht ablesbar ist.

Spannend wird es in Thüringen. Dort könnte mit Hilfe der SPD und den Grünen erstmals ein Linker Landesvater werden.