Michael Schultz Daily News Nr. 764

Michael Schultz Daily News Nr. 764

Berlin, den 11. September 2014

zum Saisonauftakt des Kunstmarktes rüsten die Galerien ihre Showräume für den heißen Herbst. Vergangenes Wochenende waren Düsseldorf und Köln an der Reihe, dieses Wochenende eröffnen in einer konzentrierten Aktion die Frankfurter und die Münchner Galerien ihre Pforten. In Nürnberg, was bekanntermaßen nicht so sehr von Galerien gesegnet ist, übernehmen die Künstler diesen Part.  Von morgen an bis Sonntagabend öffnen sie in den ehemaligen AEG-Hallen ihre Ateliers, und in Augsburg ist es eine umfangreiche Lüpertz-Ausstellung (Galerie Noah/Museum Walter), die dort den Aufschrei des Saisonauftaktes übernimmt. In der kommenden Woche wird in Berlin die sogenannte 'Art Week' zelebriert, und wenn dann das alles vorbei ist, beginnen die ersten international wichtigen Kunstmessen. Ohne große Weihnachtsunterbrechung  geht dann der Zauber weiter, bis Mitte Juni nächsten Jahres, und endet mit der Kunstmesse in Basel.

Die Münchner veranstalten ihr 'OPEN ART' Auftaktspektakel bereits zum 26. Mal. Immer rechtzeitig vor dem Oktoberfest, an jedem zweiten Septemberwochenende, eröffnen Galerien und institutionelle Aussteller nach der Sommerpause die Kunstsaison. Zu sehen sind Ausstellungen, die einen Höhepunkt innerhalb der Ausstellungssaison darstellen.

'Dabei ist es nicht nur Ziel, durch das hochkarätige Programm der Ausstellungen den überregionalen wie auch internationalen Sammlern und Kuratoren den Kunststandort München über Ludwig I. hinaus wieder auf den Schirm zu rücken,' schreiben die Veranstalter im Pressetext,  'besonders auch den Münchnern selbst wird wieder ausreichend Gelegenheit geboten, sich am Eröffnungsabend und den folgenden zwei Tagen über neue Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst in Ruhe zu informieren'. Ganz so gemächlich wie dies in der Pressemitteilung vermittelt wird, geht es nicht zu. In München brennt der Kunsthimmel, und jeder der das miterleben will, reist dafür an. Die Preise für Hotelübernachtungen haben ähnliches Niveau wie beim Oktoberfest, und das verspricht eine volle Stadt.

Mit der 'OPEN ART' wollen die Münchner Kollegen, so zumindest vermelden es die Veranstalter, auch eine  'Öffnung der zuweilen als abgekapselt empfundenen Kunstszene gegenüber dem allgemein interessierten Publikum' erreichen. Man will die Hemmschwelle abbauen und den Zugang zur Kunst durch ein speziell angebotenes Programm erleichtern. Dazu werden dieses Wochenende zahlreiche Führungen angeboten. Mehr unter www.openart.biz

Insgesamt beteiligen sich 65 Galerien/Institutionen an der Aktion. Mit von der Partie sind Rebecca Raue, die Atelierfrisches bei Matthias Kampl zeigt, und Maik Wolf, der erstmals mit einer Einzelausstellung bei MaxWeberSixFriedrich zu sehen ist.  Auch in diesem Jahr wird wieder ein umfangreicher Katalog aufgelegt, und am Samstagabend wird ab 22 Uhr im Amerika Haus das 'OPEN ART Fest' veranstaltet. Keine geschlossene Gesellschaft; Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

Im Gegensatz zum Gallery Weekend in Berlin, zu dem nur ausgewählte Galerien eingeladen werden, öffnen die Münchner die ganze Stadt und zeigen was es zu sehen gibt. Bestimmt ist dies mit ein Grund, warum die Hoteliers die Zimmernachfrage nur noch über den Preis regulieren können.  Wenn, wie in Berlin, jeder Galeriebetreiber ein bisschen wichtiger sein will als sein Kollege, dann bleibt am Ende nur einer übrig.  Seine Gäste erwartet dann zwar eine angenehm leere Stadt, mit günstigen Zimmern und einer Armada von stets dienstbereiten Shuttles. Doch der Ruf der einst stolzen Kunstdestination verhallt immer mehr. In München zeigt man wie es anders geht.

Mutig und weltgewandt hingegen präsentiert sich die finnische Post. Seit Montag wird die lang erwartete Reihe von homoerotischen Sonderbriefmarken angeboten.  Bereits im Rahmen des sechsmonatigen Vorverkaufs war der Absatz enorm. Nach Finnland waren Großbritannien, die USA und Frankreich die größten Abnehmer. Noch ist es viel zu früh um zu sagen, wie viele Briefmarken im Vergleich mit anderen erfolgreichen Serien verkauft werden. Was die Medienresonanz betrifft, sind die homoerotischen Briefmarken die erfolgreichsten in der Geschichte der finnischen Post. Mit dabei auch eine Marke, in der Szenisches der Hardcore Ikone Tom of Finland zu sehen ist (Abbildung).

Bei aller Offenheit; bei uns im Land wären solche Briefmarken nicht möglich. Noch lange nicht.