Michael Schultz Daily News Nr. 759

Michael Schultz Daily News Nr. 759

Berlin, den 4. September 2014

wer heutzutage ohne Arbeit ist, und das sind ja nicht wenige in unserem Land, muss sich bei einer Jobsuche über das Arbeitsamt womöglich einem Drogentest unterziehen. Arbeit wird nur vermittelt, wenn keine äußeren Anzeichen von Drogenabhängigkeit vorliegen. Jährlich werden rund 20.000 solcher Untersuchungen angeordnet, dabei kommt alles was das Labor erfassen kann auf den Prüfstand: Amphetamine, Cannabis, Kokain, Ecstasy und Alkohol.  Auffällige werden herausgefiltert und zum freiwilligen Gang zum Arzt aufgefordert. Für bestimmte Berufe sei dies unabdingbar, so die Bundesanstalt für Arbeit; dabei gehe es im Besonderen um Bus- und Zugführer, aber auch um Flughafenpersonal. 

Sobald man die Stelle bekommen und die Probezeit überlebt hat, wird gesoffen, gekokst und gekifft was das Zeug hält. Ohne Doping am Arbeitsplatz wäre im Sinne des Arbeitgebers so mancher Job kaum zu bewältigen. Besonders in den oberen Etagen, dort wo der direkte Druck des Chefs oft kaum zu ertragen ist, triefen die Nasen am kräftigsten. Überbordend sprudelnde Kreativität ist ohne Kick nur begrenzt möglich; das ist wissenschaftlich bewiesen. Es muss nachgeholfen werden, und damit das finanziell auch zu stemmen ist, werden die Verrücktesten in den Betrieben meist auch am besten entlohnt. Alles hat seinen Preis.

Um den täglich wachsenden Konsum befriedigen zu können, wird in den mittel- und südamerikanischen Kokainküchen produziert was das Zeug hält. Doch nicht immer findet das Dope auch seine Abnehmer. Besonders die amerikanischen Zollbehörden haben es auf den Stoff abgesehen; Milliarden an Steuergeldern gehen der Staatskasse jährlich verloren. Um diese auf ehrliche Weise eintreiben zu können, werden in regelmäßigen Abständen lange vorliegende Legalisierungsprogramme diskutiert. Hinter verschlossenen Türen versteht sich. Ein heikles Thema, an dessen Öffentlichmachung sich keiner so  herantraut; schließlich gelten in der Öffentlichkeit die energiespendenden Glücksbringer als Teufelszeug. Erst wenn deren volle Tauglichkeit für Kriegseinsätze bestätigt wird, man arbeitet daran, wird Kokain im Fachhandel angeboten werden dürfen.  

Solange das noch nicht so ist, werden der Anbau und die Produktion aufs Schärfste bekämpft. In Peru ist der Polizei dieser Tage der wohl größte Kokain-Fund in der Geschichte gelungen. Rund 8,5 Tonnen wurden letzte Woche bei einer Urwaldrazzia gefunden und dem Markt entzogen. Am Montag wurde der Fang in die Hauptstadt nach Lima gebracht, und dort der Öffentlichkeit vorgeführt. Die Freude dort jedoch hielt sich in Grenzen.

Ohne den Einsatz einer bestmöglich motivierten Truppe wäre das Ganze nicht zu bewältigen gewesen. Gut möglich, dass die 'Befreiungsaktion' mit staatlich verordnetem Dope durchgeführt wurde. Kokainbeseelte Beamte wurden zur Eroberung der Beute in den Busch geschickt. Die Maßnahme war richtig, das Ergebnis beweist es. 

Das Kokain war für Europa bestimmt; speziell für den spanischen und belgischen Markt. In Madrid sind es die vielen Arbeitslosen, denen der Stoff zum Ertragen ihrer Perspektivlosigkeit jetzt fehlt, und in Brüssel sind es die Eurobürokraten, die ihre mitunter stumpfsinnige Arbeit nur im Vollrausch ertragen können. Besonders dort wird der Engpass schmerzliche Spuren hinterlassen. Anstehende Festivitäten und Feierlichkeiten leiden schon jetzt darunter. Das Stimmungsbarometer neigt sich gegen null. Das Protokoll ist ratlos; einzig die Tatsache, dass der ins Amt zu hievende neue Ratspräsident Jean-Claude Juncker lediglich Alkohol zur Geistesbelebung benötigt, sorgt im Festkomitee für ein wenig Entspannung.

Die Amerikaner, uns in vielem voraus, testen seit kurzem in ausgewählten Bundesländern den freien Handel mit Cannabis. Das Geschäft boomt, der Staat kassiert mit. Man schwebt auf Wolke sieben. Noch ist es ein langer Weg bis der Marihuana Joint zur Gattung der weichen Drogen gesellt wird, ein erster Schritt aber ist getan.

Wer ohne Vollrausch die Toilettenräume des Bundestages wieder verlassen will, so sagt man, darf diese nur mit Nasenschutz betreten. Die Luft dort sei derart kokaingeschwängert, dass eine Pinkelpause für ungeübte zum Verhängnis wird. In allen Schichten unserer Gesellschaft ist Dope angekommen - nur beim Arbeitsamt noch nicht.

Zeit zum Umdenken.