Michael Schultz Daily News Nr. 754

Michael Schultz Daily News Nr. 754

Berlin, den 28. August 2014

 

in Berlin bereitet sich die Kunstwelt auf ihren heißen Herbst vor: in der Zeit vom 12. bis 21. September wird die 'Berlin Art Week' zelebriert. Eine Woche die zehn Tage dauert und mit einem prallgefüllten Kulturprogramm die Stadt verzaubert. Offiziell beginnt der Reigen mit der Eröffnung der Moshe Gershuni-Ausstellung in der Nationalgalerie, am Ende spielt der mexikanische Gitarrist Pablo Garibay im 'Konzert in der Kunst'  (Haus am Waldsee) Werke des spanischen Romantikers Francisco Tárrega und des mexikanischen Komponisten Manuel Ponce. Dazwischen werden die Kunstmessen 'ABC', 'Berlin-Art Fair' und die neugegründete 'Positions' eröffnet; im Begleitprogramm öffnen die Sammler Haus und Tor, Künstler diskutieren mit Kuratoren, es gibt 'Yoga in der Kunst', Bücher werden vorgestellt und Filme werden gezeigt, Preise werden verliehen, sogar eine Kunstwanderung wird es geben, und viele, viele Partys werden gefeiert.

Beim Blick in das Programm wird deutlich, dass der vom (noch) Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit geprägte Spruch 'arm aber sexy' treffender auf Berlin nicht sein kann. Wirkliche Highlights findet man nicht, zumindest nicht offiziell. Aufregendes was drum herum geschieht wird im subkulturellen Berlin organisiert. Für Werbung haben die Künstler kein Geld, nur die Maultrommeln organisieren Öffentlichkeit. Wer dabei sein will, sollte mit offenen Ohren durch die 'Art Week' wandern - in der Vergangenheit hat sich das schon immer gelohnt.

'Monopol-Magazin für Kunst und Leben' hat soeben ein Berlin-Special veröffentlicht. Informativ und gut gemacht. Wie immer. Der tiefe Blick in die Subkultur allerdings fehlt. Gut möglich, dass dazu die Klammer fehlt.  Herausgekommen ist ein informativer Wegbegleiter mit allen Veranstaltungen, Adressen und Terminen der Spielorte.  Auch wir sind mit dabei, und  eröffnen zur Kunstwoche zwei Ausstellungen von Sabina Sakoh und Helge Leiberg. (20. September)

Für ihr fotokünstlerisches Lebenswerk wurde Hilla Becher in Düsseldorf mit dem Großen Kulturpreis der Sparkassen-Kultursftiftung Rheinland ausgezeichnet. Hilla Becher, die am 2. September achtzig Jahre alt wird, war gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann, Bernd Becher, Begründer der für ihre Sachlichkeit berühmte Düsseldorfer Fotoschule. Zu ihren Schülern gehörten u.a. Candida Höfer, Axel Hütte, Jörg Sasse, Thomas Struth, Andreas Gursky und Thomas Ruff. Eine ganze Generation bedeutender Fotografen wurde durch sie beeinflusst. Die Bechers selbst haben  über Jahrzehnte Industrieanlagen, Silos, Hochöfen, Wasser- und Fördertürme in Europa und den USA fotografiert.  Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung zählt zu den höchstdotierten bei uns im Lande.

Von der 'Stiftung für Zukunftsfragen' wurde unsere Freizeitgestaltung erforscht. Dabei herausgekommen ist, dass wir am liebsten vor der Flimmerkiste sitzen. Bereits 25 Jahre in Folge ist Fernsehen die beliebteste Freizeitbeschäftigung. 97% tun dies mindestens einmal in der Woche, und etwas mehr als 67% sogar täglich. Radio hören, telefonieren und die Beschäftigung mit den Social Media liegen ebenfalls ganz weit vorne. Ausstellungen besuchen, Bücher lesen, schwimmen gehen ist in der Erfassung so marginal, dass die Ergebnisse auf der Tabelle nicht vermerkt wurden.

Jetzt hat die  'Ice Bucket Challenge' auch die 'Simpsons' erreicht. Ein Video zeigt, wie sich das Oberhaupt der Zeichentrickfamilie einen Minibecher mit kaltem Wasser über den Kopf schüttet. Nominiert wurden die Simpsons von Donald Trump. Auch Grünen Chef Cem Özdemir nahm an der 'Ice-Bucket-Challenge' teil. Dabei hat er zugleich ein politisches Statement für die Legalisierung von Marihuana gemacht. In seinem Video steht Özdemir neben einer Balkonpflanze, die sich als Hanfpflanze entpuppte. Endlich gibt es für seine glasigen Augen und seinen Tunnelblick eine schlüssige Erklärung. Nach herrschender Gesetzeslage könnte sich Özdemir strafbar machen, denn die Pflanze in dem Video ist womöglich illegal. 

Morgen geht es weiter.