Michael Schultz Daily News Nr. 753

Michael Schultz Daily News Nr. 753

Berlin, den 27. August 2014

 

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat gestern in einer sehr emotionalen Rede seinen Rückzug zum 11. Dezember angekündigt.  Diese Entscheidung kam nicht ganz überraschend, schon seit Langem brodelt es in seiner Partei. Innerparteiliche Probleme um seine Person seien die Gründe seines Rücktritts. Diese schadeten der Regierungsarbeit, und so wolle er nicht weitermachen. Als Nachfolger sind SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Landeschef Jan Stöß im Gespräch. Beide Kandidaten sind am Untergang Wowereits nicht ganz unschuldig; wegen ihrer Streitlust sind sie das Ungeeignetste was die Stadt gerade benötigt. Die Opposition fordert Neuwahlen, und das scheint, auch wenn beim Koalitionspartner CDU weit und breit kein geeigneter Kandidat zu sehen ist, dennoch die beste Lösung. In die Kritik geriet Wowereit wegen des Berliner Flughafendesasters. 

In Anspielung auf sein mutiges Outing als Homosexueller ('für alle die es noch nicht wissen: ich bin schwul und das ist auch gut so'), kursierte kurz nach seiner Rücktrittserklärung das Wortspiel: Berlin hat keinen Wowereit mehr, und auch das ist gut so. Seine Sympathiewerte sind in den letzten Monaten rapide gefallen. Die nicht zu bewältigende Flughafenbaustelle und der permanente Ärger in seiner Partei haben dazu geführt. Schnelle Wahlen würden für die SPD den Machtverlust  bedeuten, das ist gesichert. Allenfalls als Juniorpartner in einer von den Linken geführten Regierung hätten sie noch geringe Chancen. Wenn es der Berliner CDU gelingt, einen geeigneten Kandidaten von außerhalb zu gewinnen, würden die Berliner geschlossen zu ihr überlaufen. In der Stadt gibt es eine in allen Schichten verankerte SPD-Müdigkeit.

Im Kern jedoch waren die Visionen von Klaus Wowereit so schlecht für Berlin nicht. Industrieansiedlung im Stadtstaat war wegen nicht verfügbarer Flächen kaum noch möglich. Wowereit und sein Stab entwickelten daher Konzepte zur Ansiedelung sogenannter Creative Industries. Anfangs wurden diese belächelt, heute gehört Berlin in diesen Bereichen zu den innovativtesten Metropolen weltweit.  Das ist sein Vermächtnis, und auch das ist gut so.  

Es ist der Trend der Woche: Menschen die sich mit Eiswasser duschen und zum Beweis ein Video davon ins Netz stellen. Hinter der 'Ice Bucket Challenge' steckt eine recht erfolgreiche Benefizaktion für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS. Bisher wurden alleine in Amerika rund 50 Millionen US-Dollar damit eingespielt. Bei uns im Land sind die Spendeneinnahmen bei weiten nicht so hoch, doch die Bereitschaft zum Mitmachen wächst. Ganz vorne sind die Promis; Anne Will, Barbara Schöneberger und Sigmar Gabriel haben schon oder wollen noch. Doch nicht nur das kalte Wasser ist entscheidend, auf die Höhe der Spende kommt es an. Und daran hapert es bei uns. 

Spendenexperten sehen die Aktion recht positiv. Lernen könne man davon, dass Spenden nicht nur über Mitleid oder negative Botschaften funktioniere. Der Druck mitzumachen, davor wird allerdings gewarnt, dürfe nicht zu hoch sein.

Erstmals widmet die Neue Nationalgalerie in Berlin einem israelischen Künstler eine umfassende Einzelausstellung. Unter dem Titel 'No Father, No Mother' sind vom 13. September bis zum 31. Dezember Werke von Moshe Gershuni in Berlin zu sehen. Gershuni ist einer der bedeutendsten lebenden Künstler seines Landes. Präsentiert wird ein umfassender Einblick in die letzten 40 Jahre seines Schaffens.

Ein Exemplar des ersten Supermann-Hefts ist für 3,2 Millionen US-Dollar in einer Ebay-Auktion versteigert worden. Mit diesem Ergebnis übertraf die Onlineauktion den bisherigen Rekord um eine gute Millon. Vor drei Jahren wurde für ein Exemplar von 'Action Comic No. 1' knapp 2,2 Millionen US-Dollar genehmigt. Die 1938 erschienenen Hefte gelten wegen des ersten Auftritts von Superman als 'Heiliger Gral' der Comicsammler.

Gestern noch haben wir uns mit den verheerenden Kriegszuständen in Gaza und in der Ukraine beschäftigt. Am Abend erreichte uns die Meldung, dass sich die Israelis mit der militanten Hamas auf eine dauerhafte Waffenruhe geeinigt haben. In Gaza Stadt haben tausende auf der Straße gefeiert. Aus der Ukraine wurde nach einem Gespräch zwischen den Präsidenten Poroschenko und Putin verkündet, dass auch dort eine baldige und dauerhafte Waffenruhe angestrebt wird. 

Die Aktienmärkte reagierten positiv auf die politischen Entscheidungen des gestrigen Tages. Und auch das ist gut so.