Michael Schultz Daily News Nr. 745

Michael Schultz Daily News Nr. 745

Berlin, den 15. August 2014

recht emotional reagierten einige 'Bayern' Fans auf unseren kleinen Einwurf über das Supercup-Finale. Ohne ihre Weltmeister seien sie angetreten, mit einer B-Truppe und überhaupt hätte der Supercup für den Verein ohnehin keine Bedeutung. Lassen wir das mal so stehen. Erinnern wollen wir aber an die Worte von Pep Guardiola, der vor dem Spiel sagte: 'Wir fahren nach Dortmund, um zu gewinnen.' Der exschalker Torhüter Manuel Neuer legte noch nach: 'Gegen Dortmund gibt es keine Freundschaftsspiele; jeder von uns ist heiß'. Ein eindeutiger Nachweis der Absicht. Wer gewinnen will, muss auch verlieren können; das weiß man auch in München. Gute Verlierer tun dies mit Anstand.

In den vergangenen zwölf Monaten sind in Dänemark mindestens 14 Menschen an den Folgen einer Infektion mit Listerien verstorben. Die gefährlichen Bakterien haben sich in den Wurstwaren einer kopenhagener Fleischfabrik eingenistet, deren Produkte auch nach Deutschland geliefert wurden. Insgesamt sollen 160 Kilo verseuchter Wurst nach Schleswig-Holstein geliefert worden sein. Inzwischen wurde die Fabrik von den Behörden geschlossen. Unterdessen wurde bekannt, dass auch bei uns in Deutschland reichlich Gammelfleisch im Angebot ist. Besonders die Sonderangebote für Grillfleisch haben es in sich: Bei Stichproben Grüner Verbraucherschützer wurden in 14% der Ware sogenannte MRSA Keime entdeckt. Gegen diese sind gängige Antibiotika resistent. Noch schlimmer sind die Nachrichten über den Genuss des bei uns so beliebten Lachses: Fast alles, was bei uns verpackt auf den Tresen kommt ist, verunreinigt und von Salmonellen besetzt. 

Bekannt geworden sind diese Fälle in den vergangen zwei Wochen; befürchtet wird, dass noch gefährliche Forschungsergebnisse in den Schubladen verwahrt werden und wegen ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung (vorerst) nicht veröffentlicht werden. In einschlägigen Internetforen wird schon danach gefragt, ob 'unsere Lebensmittel mittelweile zu Gift verkommen sind'. Ganz so falsch ist diese Vermutung nicht: In allen bekannt gewordenen Nahrungsmittelskandalen der letzten Jahre war die gesamte Palette unser Ernährung verwickelt. Wer sich strikt an die Warnungen gehalten hätte, dürfte nicht nur nichts mehr essen, in manchen Regionen sogar kein Wasser mehr trinken. So also sieht es aus mit unserer Ernährungshygiene.

Die Bekämpfung der Infektionen, sofern überhaupt noch möglich, wird immer mehr mit gefälschten Medikamenten vorgenommen. 'Der Handel damit blüht wir nie zuvor', gibt die kölner Zollinspektion bekannt. Zwischen 2008 und 2013 stieg die Zahl der Ermittlungsverfahren um das Dreieinhalbfache. Die illegalen Arzneimittel werden nicht nur auf dem Schwarzmarkt angeboten vermutet man, über ausgeklügelte Vertriebswege gelängen diese auch in die Regale unserer Apotheken. 

Unsere 'Geiz ist Geil' Mentalität verführt die Nahrungsmittelhersteller zu immer riskanteren Produktionsverfahren. Am Ende liefern sie uns verseuchte Ware auf den Tisch, deren Folgen wir mit noch riskanteren Arzneimitteln bekämpfen. Im Grunde genommen dürften wir eigentlich gar nichts mehr zu uns nehmen. Heute kommt die Warnung vor dem Salzverzehr: 99,2 Prozent der Weltbevölkerung nehmen davon zu viel zu sich; dieser 'maßlose Salzkonsum', so die Überschrift im GMX Magazin 'könnte 1.65 Millionen Menschen das Leben kosten'. Alleine in Deutschland sind im Jahr 2010 knapp 21.000 Menschen infolge einer zu hohen Natriumsalzaufnahme gestorben.

Gerne werden diese Studien in den Sommermonaten veröffentlicht. In dieser Zeit ist die Sensibilität besonders hoch. Wir nehmen es zur Kenntnis, aber vergessen auch wieder schnell. Solange wir immer älter werden und unsere Kinder wegen der Chemiebausteine im Fleisch immer grösser, stört uns das nicht. Wir passen uns dem Verhalten der Bakterien an und sind resistent gegen alles, was unseren Wohlstand in Frage stellt. 

Themenwechsel. 'Was macht ihr Galeristen eigentlich im Sommer', werden wir immer wieder gefragt. Wir arbeiten, bereiten die zweite Jahreshälfte vor und stellen das Programm für das Kommende fest. Der Publikumsverkehr bricht nicht ab; im Gegenteil, es sieht sogar so aus, dass unsere Galerien augenblicklich stärker frequentiert werden als im Frühjahr. Das Interesse an unserer Arbeit ist recht groß und es wird gekauft, als wären wir mitten in der Saison. Die Resonanz auf die aktuellen Ausstellungen von Johanna Flammer und Malgosia Jankowska ist ungebrochen; zu sehen sind diese allerdings nur noch bis morgen. In der kommenden Woche wird umgebaut: am Samstag dann eröffnen wir mit den neuen Metallarbeiten von SEO und den Bondagestillleben der dänischen Künstlerin Annette Merrild. 

Bis zum Jahresende werden wir an den Kunstmessen in Wien, Köln, Istanbul und Miami teilnehmen. Auch damit beschäftigen wir uns. Nebenbei machen auch wir ein wenig Urlaub; Privates wird erledigt. Es gibt also genügend zu tun. 

Richtig gut genutzt wurde dieser Sommer von unserer Kollegin Julia Saul. Vergangenen Samstag ging sie den Bund der Ehe ein. Mit allen Konsequenzen. Sie heißt jetzt Julia Repke und wir sind so stolz auf sie. 

Gibt es Schöneres im Leben? Kaum!

Schönes Wochenende.

P.S.: In unserem Bericht von gestern hat das Korrekturprogramm aus Jesiden 'Jesuiten' gemacht. Tut uns leid.