Michael Schultz Daily News Nr. 737

Michael Schultz Daily News Nr. 737



Lissabon, den 5. August 2014

Liebe Freunde,

die portugiesische private Großbank Banco Espirito Santo ist gerettet. Wochenlang hatte Europa dem Verfall von Portugals größter Bank hilflos zugesehen. In der Nacht von Sonntag auf Montag ging dann alles ganz schnell: mit einer Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro wurde das Bankhaus vor dem Konkurs gerettet. Damit sind auch die Einlagen aller Bankkunden gesichert, und Portugal, aber auch Europa, wurde vor einem Vertrauensdesaster gerettet.

Das benötigte Geld kommt aus dem alten, nicht abgerufenen EU-Rettungspaket, den Portugal aufgrund seiner Konsolidierung vor zweieinhalb Monaten verlassen konnte. Die EU-Kommission teilte inzwischen offiziell mit, dass sie die kostspielige Stützungsmaßnahme genehmigte. Die staatliche Hilfe und die Gründung einer sogenannten 'Bad Bank', in der die faulen Kredite verarbeitet werden, entsprächen den europäischen Regeln. Damit sei gewährleistet, dass der Wettbewerb in Europa so wenig wie möglich verzerrt werde. Sparer und andere Kunden werden geschützt.

Dass die Bank in Schwierigkeiten steckt, war seit Wochen bekannt. Wie dramatisch aber die Lage tatsächlich ist, zeigte sich vergangenen Mittwoch nach Bekanntgabe der Zahlen für das erste Halbjahr 2014: Mit einem Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro war die Bank auch durch private Einlagen nicht mehr zu retten. Die millionenschwere EU-Hilfsaktion bedeutet zwar nicht die Rückkehr der Eurokrise, aber die Maßnahme zeigt wie fragil die Lage weiterhin ist. Wegen der Schieflage der Banco Espirito Santo waren europäische Bankaktien in den vergangenen Wochen unter Druck geraten.

Stattdessen soll die Banko Espirito Santo nun in einen 'guten' und einen 'schlechten' Teil aufgeteilt werden. In den 'schlechten'  werden neben den faulen Krediten auch alle anderen fragwürdigen Geschäfte eingebracht. Für die Verluste, die in dem 'schlechten' Teil unweigerlich anfallen, sollen die Bankanteilseigner, Aktionäre und ein Großteil der Anleihegläubiger zur Kasse gebeten werden. Letzteres ist bemerkenswert, weil damit auch sichergestellt ist, dass die Schadensverursacher zur Kasse gebeten werden. Ein einmaliger Vorgang in Europa - bisher wurde sich bei so gut wie allen EU-Bankrettungsaktionen ausschließlich am Steuerzahler schadlos gehalten. 

Mit gutem Beispiel zeigen die Portugiesen ein weiteres Mal wie Krisen auch anders gemeistert werden können. Die Nelkenrevolution, aber auch die zügige Abarbeitung der letzten Wirtschaftskrise sind andere Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit des Landes. 

Die Krisen in Gaza, in Libyen, Syrien, dem Irak und der Ukraine sind noch voll im Gange. Auch wenn dazwischen immer mal wieder von verabredeten Waffenruhen gesprochen wird. Die Absurdität solcher Vernichtungs- und Tötungsunterbrechungen wird am deutlichsten, wenn während der 'Waffenruhen' Kinder, die sich zum Schutz in Schulen aufhalten, getötet werden. Der Krieg in Gaza dauert jetzt genau 29 Tage. Sieger wird es keine geben; weder die Israelis noch die Hamas werden als Helden dieses sinnlosen Gemetzels in die Geschichte eingehen. Wieder wurde eine, diesmal 3-tägige, Waffenruhe vereinbart. Zeit, damit sich die Kämpfer in ihren Stellungen mit Nachschub versorgen können. Der Krieg findet erst dann ein Ende, wenn der Lichtschalter für den Gazastreifen im eigenen Land ist.

Beste Grüße.

Michael