Michael Schultz Daily News Nr. 725

Michael Schultz Daily News Nr. 725

Istanbul, den 18. Juli 2014

Liebe Freunde,

die schreckliche Nachricht von dem Abschuss des mit 295 Menschen besetzten Passagierjets der Malaysia Airlines überschattet alles was uns der Terror in den letzten Wochen und Monaten beschert hat. Mit dieser unmenschlichen Tat haben die Terrortruppen tief ins Mark unserer Zivilisation  getroffen. Ab heute schränkt die Unberechenbarkeit eines weltweit sich ausbreitenden Terrorismus unsere Freiheit deutlich ein. Immer mehr werden wir Getriebene von fanatischem Terrorismus.

Auch wenn noch keine gesicherten Daten über die wirkliche Ursache bekannt sind, wurde der Absturz nach Einschätzung des US-Geheimdienstes und einem Bericht der 'Washington Post' durch eine Rakete verursacht. Weitere Angaben machte der namentlich nicht genannte Geheimdienstbeamte nicht. Abgestürzt ist die Maschine mit der Flugnummer MH 17 über dem Unruhegebiet der Ostukraine. An Bord waren 280 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder. Bei dem Absturz sind auch vier Deutsche ums Leben gekommen. Das Flugzeug wurde in einer Höhe von 10.000 Metern von einer Flugabwehrrakete abgeschossen, sagte ein Berater des ukrainischen Innenministeriums der russischen Agentur Ria Nowosti. 

Die Maschine befand sich auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Die Boeing 777 hatte um 12.15 Uhr Amsterdam verlassen und sollte heute Morgen um 6.10 Uhr Ortszeit in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur ankommen. Die Lufthansa und andere Fluggesellschaften reagierten umgehend auf das Unglück und änderten ihre Flugrouten nach Asien. 'Der ostukrainische Luftraum wird bis auf Weiteres weiträumig umflogen' gab die Lufthansa durch ihren Sprecher bekannt. 

Malaysia trauert noch immer um die Opfer von Flug MH 370, der seit rund vier Monaten mit 239 Menschen verschollen ist. Dieser zweite Totalverlust innerhalb kurzer Zeit wird von der malaysischen Staatslinie kaum zu stemmen sein. Der zu erwartende weitere Rückgang von Passagierzahlen, aber auch das schwer beschädigte Image, werden der Gesellschaft schwer zusetzen. Gut möglich, dass ihr Name bald vom Markt verschwindet. Für die Vielflieger unter uns wird der Gang in die Flugzeugkabine ab sofort mit mulmigen Gefühlen begleitet. Richtig gefährlich wird es aber, wenn die Hemmschwelle der Gotteskrieger und Terrortruppen weiter sinkt, und kein ziviles Flugzeug am Himmel mehr sicher ist.

 

Die letzten Feinheiten beim Aufbau der Ausstellung von Malgosia Jankowska sind erledigt. Morgen von 19 bis 21 Uhr wird eröffnet. Herzlich willkommen.

Trotz der großen Ohnmacht muss unser Alltag weitergehen, auch wenn es gerade jetzt schwer fällt. Bevor der Sommer so richtig beginnt, eröffnen wir morgen die beiden Ausstellungen von Johanna Flammer und Malgosia Jankowska; zwei Künstlerpositionen, die erstmals bei uns zu sehen sind, wobei der Blick auf das Schaffen der aus Polen stammenden Malerin Malgosia Jankowska schon einige Zeit anhält. Wie zuletzt auch bei der Ausstellung von Jean-Yves Klein begleiten wir nicht selten die Künstler über einen längeren Zeitraum, bevor wir mit der Zusammenarbeit beginnen. Zwei spannungsvolle und vielversprechende junge Künstler, bei denen sich der  Blick auf ihr Werk lohnt.

 

Der Konzeptkünstler On Kawara hat Zeit seines Lebens ein großes Geheimnis um sein Privatleben gemacht. Die Nachricht von seinem Tod, bereits Ende Juni soll er verstorben sein, wurde von seiner New Yorker Galerie in einer spärlichen Mitteilung bekanntgegeben. Weder Zeitpunkt noch Todesursache sind darin genannt. Kawara starb im Alter von 81 Jahren; zurückgeblieben sind ein noch zu entschlüsselndes Werk und viele offene Fragen zu seiner Existenz. Im Mai erst wurde für seine Werke mit 4,2 Millionen Dollar ein Auktionsrekord aufgestellt.

Auch wenn es heute nicht so passend erscheint,  wollen wir zwei ungewöhnliche Stellenangebote nicht vorenthalten: für das Entertainment ihrer Traumreisen sucht Hapag-Lloyd einen künstlerischen Leiter. Bewerbungen an Hapag-Lloyd Kreuzfahrten GmbH, Personalabteilung, Kathrin Groth, Ballindamm 25, 20095 Hamburg. Wer gerne Präsident der Berliner Universität der Künste werden mag, möge sich bis zum 25.7. 2014 unter der Kennziffer 001/14 an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Abteilung IV, Bernhard-Weiß-Straße 6, in 10178 Berlin, wenden.  

Viel Spaß beim Versand, schönes Wochenende, und hoffentlich bis morgen.

Beste Grüße.

Michael