Michael Schultz Daily News Nr. 723

Michael Schultz Daily News Nr. 723

Berlin, den 16. Juli 2014

Liebe Freunde,

mit der Ankunft der Fußball Nationalmannschaft, und einer überwältigenden Jubelfeier,  hat die Bundeshauptstadt wieder einmal bewiesen, warum sie die Nummer Eins aller Großstädte im Lande ist. Über eine Million Menschen waren zur Begrüßung auf den Beinen, sie säumten den Weg vom Flughafen Tegel bis hin zum Brandenburger Tor und bejubelten unsere Weltmeister. Selbst Bayernstar Sebastian Schweinsteiger war von den Massen überwältigt. 'So viele Menschen am Straßenrand, das kenn ich selbst aus München nicht', sagte er in einem ARD-Interview. Als der Lufthansa Jumbo gegen kurz nach Zehn in Berlin landete, war die Fanmeile bereits wegen Überfüllung geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt weilten dort rund 400.000 Fans. Weitere 600.000 begrüßten die Weltmeister an den Straßenrändern. Zuvor war der 'Siegerflieger' im Tiefflug über Stadt und die Fanmeile geflogen.

Bundestrainer Löw dankte am Brandenburger Tor den Fans für deren Unterstützung. 'Ohne euch wären wir nicht hier. Wir sind alle Weltmeister', sagte er unter großem Jubel. Den Fragen nach seiner Zukunft wich er aus; womöglich ein erstes Indiz, dass er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn abdanken will. Für unsere Kritik an ihm gab es Schelte und Zuspruch zugleich. Er hat uns den Pott und den vierten Stern gebracht, dafür gebühren ihm Respekt und Anerkennung.

Aus München erreicht uns eine Lesermeinung, in der wir höflich darum gebeten wurden, doch auch mal darauf hinzuweisen, dass im Endspiel sieben Spieler  standen, mithin 63% der Mannschaft, die auf der Lohnliste des FC Bayern stehen. Gerne holen wir das hier nach, allerdings mit dem kleinen Verweis darauf, dass von den sieben die überwältigende Mehrheit keine echten Bayern sondern Zugereiste sind. Jetzt jedoch bloß kein Neid wegen des triumphalen Empfangs in Berlin; dass der weitaus bessere Fußball in München gespielt wird, wissen wir doch. Auch Horst Seehofer begrüßte auf dem Münchener Flughafen die zurückgekehrte Bayerntruppe. Dabei ging es wesentlich beschaulicher zu: mit Blasmusik und Politprominenz wurden die Kicker empfangen. Schweini küsste den bayerischen Boden, und der Ministerpräsident sprach von einem 'bayerischen Sieger-Gen', ohne das das Endspiel nicht zu gewinnen war. Mit dieser völlig unnötigen Bemerkung setzte Seehofer einen weiteren Meilenstein zur Süd-Nord Polarisierung im deutschen Fußball. Wahrscheinlich kann er einfach nicht anders.  

Nach einer Analyse der DZ-Bank hat die Niederlage des brasilianischen Teams die Wirtschaft im Lande in eine 'Schockstarre' versetzt. 'Brasilien erlebt nach der Fußball-WM grenzenlosen Frust und Enttäuschung', testierten die Banker. Ernüchternde Wirtschaftsräte sorgten dafür, dass die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen düster bleibe. Dies gelte nun 'erst recht' nach der Halbfinalniederlage, durch die die wirtschaftliche Situation erneut verschlechtert wurde. Ähnliches hört man auch aus der Heimat der Finalgegner. Argentinien muss seine Schulden begleichen, doch wie das gehen soll, dafür gibt es keine Lösungen. 

Um künftig ihre finanzielle Unabhängigkeit von der US-dominierten Weltbank zu bekommen, gründeten die fünf größten Schwellenländer China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika eine eigene Entwicklungshilfebank. Jeder der sogenannten BRICS-Staaten stellt zunächst zehn Milliarden US-Dollar zur Verfügung; insgesamt soll das Startkapital auf 100 Milliarden anwachsen. Über den künftigen Sitz der Bank wurde noch nicht entschieden.

Die Opposition in unserem Land fürchtet weitere Spitzel, so Grünen-Politiker Konstantin von Notz.  Es scheine weitere Agenten jenseits der beiden bekannten Fälle zu geben. Die bisherige Reaktion der Regierung reiche nicht aus. Von den deutschen Geheimdienstchefs wurden Berichte über ein Dutzend weiterer US-Spione weder bestätigt noch dementiert.  Grüne und Linke sehen im Innenausschuss weiteren Aufklärungsbedarf. Der ausgewiesene CIA-Deutschland-Chef soll noch diese Woche ausreisen, meldet 'Spiegel Online'.

Nach dem Scheitern der Waffenruhe und weiteren Raketenangriffen auf Israel wird die Offensive auf die Hamas ausgeweitet; offen bleibt, ob israelische Bodentruppen in den Gaza-Streifen einmarschieren. Erstmals kam ein israelischer Zivilist ums Leben. Außenminister Frank-Walter Steinmeier verlangte von beiden Seiten ein Bemühen um eine Waffenruhe, sicherte Israel die volle Solidarität Deutschlands zu,  lehnte jedoch eine Vermittlerrolle im Konflikt  ab. Der türkische Ministerpräsident warf den Israelis 'Staatsterrorismus' vor und sagte an die Palästinenser gerichtet 'Ihr seid nicht allein'. Solche Äußerungen dienen nicht der Befriedung, schon eher einer Ausweitung des Konflikts.

Der US-Investor Warren Buffett, geschätztes Vermögen 60 Milliarden Dollar, gibt einen weiteren Teil seiner Barschaft ab. Rund 2,8 Milliarden wandern an mehrere gemeinnützige Stiftungen, darunter alleine 2,1 Milliarden an die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates. Der Rest geht zu gleichen Teilen an die Stiftungen seiner Kinder und an seine eigene. Neidlos gönnen wir ihm das viele Geld; schön, dass er davon ein wenig zurückgibt. Zu hoffen bleibt, dass auch bei denen was ankommt, mit deren Hilfe er zu diesem unmenschlichen Reichtum gekommen ist.

Der wegen Steuerproblemen nach Russland ausgewanderte französische Filmschauspieler Gerard Depardieu will in seiner Wahlheimat ins Wodka-Geschäft einsteigen. Mit Biowodka wolle er die die Welt erobern.  Als Angebot für den kultivierten Alkoholiker will er ein Getränk auf den Markt bringen, bei dem der Zirrhose-Prozess schleichender als bei herkömmlichen Produkten eintritt. 

In unserer Heimat sollen ungesunde Lebensmittel künftig mit einer Kaloriensteuer belegt werden. Das fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft.  Wer sich ungesund ernähre, koste den Staat letztendlich Geld. Mit höheren Preisen könnten Einkaufsgewohnheiten verändert werden. Dänemark hat 2011 eine Steuer auf Fette in Lebensmittel eingeführt, Frankreich besteuert mit Zucker angereicherte Getränke. Die Diabetiker Gesellschaft verwies auf die steigende Zahl von Zuckerkranken und plädiert für den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf besonders kalorienreiche und ballaststoffarme Produkte. Jetzt geht es den Schweinshaxen-Süchtigen unter uns  an den Kragen; das verlangt Solidarität.

Nicht ganz zum Schluss, aber dennoch etwas Erfreuliches: die eurokritischen Nationalisten der AfD befinden sich im internen Zerfleischungsprozess. Während die Partei in der Öffentlichkeit einen ruhigen Eindruck vermittelt, haben sich die Fehden an interne Schiedsgerichte verlegt, so die 'FAZ'. Der Chef des AfD-Bundesschiedsgerichts, Wolfgang von Eichborn, trat von seinem Amt zurück und schrieb dazu, dass die kleinlichen Streitereien der Mitglieder um 'ihr' Recht oder um 'Recht an sich' im Gefüge der Partei Spuren hinterlassen haben. Er musste sich auch mit Fällen auseinandersetzen, bei denen Parteimitglieder aus Facebook-Gruppen ausgeschlossen wurden.  Außerdem fürchte er, dass noch lange kein Ende absehbar sei.

Harmonisch und ohne Querelen im Hintergrund, wurde die Kunsthistorikern Hilke Wagner als neue Direktorin des Albertinums der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden bestellt. Zum 1. November wird sie ihr Amt antreten. In der sächsischen Landeshauptstadt freut man sich auf eine Neuausrichtung der Ausstellungsaktivitäten. 

Im Wuppertaler Tony Cragg-Skulpturenpark zeigt Stephan Balkenhol bis zum 12. Oktober aktuelle Werke. Ein nach antikem Vorbild geschaffener sechs Meter hoher Torso ist das Kernstück der Ausstellung. (Skulpturenpark Waldfrieden, Hirschstraße 12, 42285 Wuppertal, Dienstag - Sonntag 10 - 19 Uhr)

Bei uns werden am Samstag die Ausstellungen von Johanna Flammer und Malgosia Jankowska gezeigt. Für beide Künstlerinnen sind das Erstpräsentationen. Zurzeit befinden wir uns im Aufbau, wer wegen der anstehenden Sommerferien die Ausstellungen schon jetzt besuchen kann, kann gerne reinschauen.

Die Gewinner unserer betriebsinternen Fußballwette kamen fast ausschließlich aus Asien: auf das deutsche Team gesetzt haben Sung Sun Cho, Hu Huijun, Kim Yusob und als einzige Inländerin Frieda Vogel. Der eigentliche Gewinner jedoch ist Maik Wolf; rechtzeitig zum Finale kam Arthur zur Welt, ein wahrer Weltmeister. Mutter, Vater und Kind sind wohlauf. Congratulations und beste Grüße aus der Mommsenstraße.

Bis morgen.

Michael