Michael Schultz Daily News Nr. 721

Michael Schultz Daily News Nr. 721

Berlin, den 14. Juli 2014

Liebe Freunde,

wir haben es gepackt: In einem aufreibenden Finale sicherte sich das deutsche Fußballteam mit einem fulminaten Tor des Ex-Dortmunders, Mario Götze, den vierten Weltmeistertitel. Doch erst gegen Ende der Verlängerung, unmittelbar vor dem Elfmeterschießen, entstand aus einer Traumkombination zwischen Schürrle und Götze das alles entscheidende Tor. Trotz banger Situationen vor dem Tor von Manuel Neuer, die besonders in der ersten Halbzeit zu einem Rückstand hätten führen können, ist der hart erarbeitete Sieg des deutschen Teams letztendlich hochverdient. Gesamtgesehen über die 120 Minuten waren sie die quirligere Mannschaft mit der besseren Kondition und abgeklärter geduldig.

Die Einwechslung von Schürrle und später von Götze gaben dem deutschen Spiel die richtigen Impulse. In dieser Hinsicht hätte der auf dem Weg zum Titel viel gescholtene Bundestrainer mehr Mut beweisen müssen und die Beiden von Beginn an, anstatt von Özil und Klose, auflaufen lassen sollen. Mit dem Erfolg aber ebbt jede Kritik am Bundestrainer ab. Am Ende hat sein Team den Titel geholt, 'egal wie' wünschte sich die im Stadion anwesende Bundeskanzlerin, und 'das alleine zählt'. Für Löw gäbe es keine bessere Möglichkeit, als sich jetzt, im Hochgenuss des Triumphes, von seinem Trainerposten zu verabschieden. Für ihn, aber auch für die Zukunft des deutschen Fußballs, wäre dies die beste Gelegenheit für einen Umbau des Teams.

Furchtlos müssen jetzt neue Wege beschritten werden, aus Altersgründen muss die Mannschaft im Kern erneuert werden. Es muss ihr eine noch effektivere Spielkultur verpasst werden, und es sollte künftig wieder mit echtem Mittelstürmer angetreten werden. Erst nachdem der Bundestrainer vor dem Brasilienspiel massiv zu einer Systemumstellung gedrängt wurde, nahm das Spiel der Deutschen wieder Fahrt auf. Löw ist ein Zauderer, wenn er nicht von außen zu seinem Glück überrumpelt worden wäre, hätten wir wahrscheinlich auch den Titel geholt, aber eben nicht im Glanze der letzten beiden Spiele. Alles, was jetzt im deutschen Fußball geschieht, wird am WM-Titel gemessen. Wenn er schlau ist, verabschiedet er sich, seinem Nachfolger wird man die unausweichlich bevorstehenden Niederlagen der Nationalmannschaft weniger nachtragen als ihm. Es wäre der krönende Abschluss seiner verdienstvollen 10-jährigen Tätigkeit im Dienste der Nationalmannschaft.
Mit gesenkten Köpfen haben die Argentinier die Ehrung zum zweiten Platz entgegengenommen. Besonders geknickt war Lionel Messi, der trotz der Auszeichnung zum WM-Topspieler mit versteinerter Miene den präsidialen Gratulationsmarathon absolvierte. Auch seine Mannschaft hätte als Sieger vom Platz gehen können, darüber wohl hat er sich am meisten geärgert. Ganz Argentinien wird für ihn weinen, ob ihm das recht ist oder nicht. Im Fußball ist Deutschland die neue Nummer 1, dafür stellen die Argentinier mit Papst Benedikt den Stellvertreter Gottes. Unter diesem Gesichtspunkt segnet der Heiligenschein Gewinner und Verlierer zugleich.

Mit dem Ende der WM verändert sich auch wieder der Schwerpunkt der Nachrichtenlage. Die wichtigeren Themen treten wieder in den Vordergrund. Bei uns im Land z.B. befürchtet man eine Ausweitung der Spionage-Affäre. Recherchen der 'Bild am Sonntag' zufolge sollen über ein Dutzend deutsche Regierungsmitarbeiter von der CIA als Quelle geführt werden. Diese sitzen vermutlich im  Verteidigungs-, Wirtschafts-, Innen- und Entwicklungshilfeministerium.  Der "Spiegel" berichtet, dass die Kommunikation von Bundestagsabgeordneten Ziel von Abhöraktionen gewesen sei, und aus dem NSA Ausschuss ist zu hören, dass man dort aus Angst vor US-Abhöraktionen den Schriftverkehr wieder auf Schreibmaschine umgestellt hat. Um ganz sicher zu sein, kommen keine elektrischen Maschinen zum Einsatz; die Briefe werden manuell verfasst. Die vielbewährte 'Erika' ist wieder im Einsatz - die NSA macht‘s möglich.

Auch in der vergangen Nacht hat die radikal-islamische Hamas zahlreiche Raketen aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuert; Geschosse über Tel Aviv wurden von der Luftabwehr abgefangen. Über 800 Raketen wurden bisher vom israelischen Raketenabwehrsystem abgefangen. Besonders die Menschen in Tel Aviv sind vom unaufhörlichen Beschuss der Hamas bedroht. Sämtliche Friedensbemühungen scheitern an der Radikalität der Gotteskämpfer. Um dem Bombardement ein Ende zu bereiten, beginnt die israelische Armee mit Bodentruppen in den Gazastreifen einzudringen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf der Hamas vor, Palästinenser würden als menschliche Schutzschilde missbraucht. Kämpfer versteckten sich in Moscheen oder richteten Kommandozentralen in Wohnhäusern ein. Israel hat die Bewohner im nördlichen Gaza-Streifen aufgefordert, zur eigenen Sicherheit die Häuser zu verlassen. Die Fernsehbilder von zerstörten Wohnhäusern und verletzten Kindern verzerren den Hintergrund der Auseinandersetzung. Die Feindseligkeiten gehen von der Hamas aus, die nur dann an den Verhandlungstisch zurückkehrt, wenn auch sie militärische Erfolge nachweisen kann. Solange dies nicht geschieht, wird der Raketenhagel auf Israel weiter und unaufhörlich niederprasseln - ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.
 
Schlussendlich noch die Meldung des Tages: Bundeskanzlerin Merkel soll freiwillig zurücktreten wollen, wie "Der Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe berichtet. Sie sei fest entschlossen, freiwillig aus dem Amt zu scheiden. Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf die Einschätzung mehrerer Kabinettsmitglieder und hochrangiger Unionspolitiker. Sie selbst dementiert. Auf einen Zeitpunkt legt sich das Magazin nicht fest, spekuliert aber, dass Merkel das Amt des UN-Generalsekretärs oder EU-Ratspräsidenten anstreben könnte. Als Nachfolgerin für Merkel wird Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gehandelt. Für diesen Fall allerdings wäre es besser, sie bleibe uns noch lange erhalten.
Geht sie aber, dann hätte sie sicherlich mehr Zeit, sich künftig in der Kabine des Nationalteams nach dem wahren Kick umzusehen.

Warum nicht. In diesem Sinne beste Grüße.

Michael