Michael Schultz Daily News Nr. 712

Michael Schultz Daily News Nr. 712

Seoul, den 1. Juli 2014

Liebe Freunde,

in den Daylies von gestern ging's um's Fasten, die Erotik des Essens und den Sex danach. Themen, die anscheinend die Welt bewegen. Die Resonanz war enorm, am interessantesten war eine Anmerkung aus Berlin, die wir nicht vorenthalten wollen: '(...) wer hat noch Lust, nach einer präkulinarischen Kopulation zu kochen?' Natürlich nur die Entrückten, die mit einer unnachahmbaren Nonchalance durchs Leben wandeln und spielend so gut wie jede Frau in die Kiste kriegen. Die kochen hinterher. In den USA, schrieb uns ein weiterer Leser, war es sogar im bibelfesten Mittleren Westen noch bis in die 90iger Jahre ein unausgesprochenes Gesetz, dass die Annahme einer Einladung zum Dinner gleichzeitig als Einverständnis für den Sex danach gilt. Interessant auch ist die Meinung, dass es für den Mann gute  biologische Gründe gibt, die 'Zeit zwischen dem Hauptgang und der Nachspeise' kurz zu halten, 'sonst droht wegen Müdigkeit der Verlust der Vollendung'. Geschrieben von einer Frau - da spricht jemand aus Erfahrung.

Unseren Nationalspielern hat der Bundestrainer den Besuch ihrer Frauen genehmigt. Hat ja auch lange gedauert, bis man in Deutschland dahinter kam, dass das Liebesspiel kreative Wunder vollbringt, die dann später auf dem Platz zu sehen sind. Was da genau in den Betten abgeht, wird nicht verraten, was die Paare aber davor so zu sich nehmen, wurde in einem  Küchenbuch verewigt: 'das Kochbuch der Nationalmannschaft' rechtzeitig zur WM im Edel-Verlag erschienen. Gibt's in jeder guten Bahnhofsbuchhandlung und an ausgewählten Flughäfen. Untergliedert in fünf Kapiteln wir ausführlich erklärt warum die Sportler 'wann, wie, was essen'. Ein ganzes Kapitel widmet sich dem Trinken; dass Alkohol und Sport nicht gut zusammengehen wird ausdrücklich erwähnt.  100 Seiten Langeweile - wirklich nur was für Spezialisten.

Im Alltag Koreas spielt Essen eine bedeutende Rolle. Wenn man sich begegnet, fragt man nicht nach dem Wohlbefinden, 'hast du schon was gegessen' ist die beliebteste Begrüßungsformel. Wer die Küche Koreas kennenlernen will, sollte sich viel Zeit nehmen, um die unterschiedlichsten Spielarten der Korean Cuisine kennenzulernen.

Für die Koreaner, und eigentlich ist das in ganz Asien verbreitet, ist die Nahrungszunahme nicht nur körperlicher Treibstoff, sondern auch Nahrung für Geist und Seele. Bei traditionellen Gerichten wird eine Harmonie auf vielen Ebenen angestrebt: die an die fünf Grundelemente angelegten Farben sind bei der Zubereitung von großer Bedeutung, auch dem Aussehen wird Bedeutung zugemessen; ganz wichtig sind die Nährstoffe und die gewürzliche Feinabstimmung. Die Aromen sind salzig, scharf, süß, bitter und sauer; ein ausgewogener Mix aus allem sind die entscheidenden Kriterien für das Essen im Land.

Die typischen Bestandteile einer koreanischen Mahlzeit sind Reis, Suppe und eine je nach Gericht und Lokalität variierende Anzahl von Beilagen. Die Hauptgerichte werden dazu serviert, diese isst man gemeinsam mit den Tischnachbarn aus der Mitte von einem Teller. Auch die Suppe wird aus einem Topf gelöffelt. Noch immer ist es verpönt, während des Essens viel zu reden, danach wird munter diskutiert. Die vielen Facetten koreanischer Gerichte hier aufzuführen würde zu weit führen, deshalb nur eine kleine Auswahl: 'Kimchi' ist die wohl mittlerweile weltweit bekannteste Kohlbeilage. Das ist eingelegter Chinakohl mit rotem Chilipulver, je nach Jahreszeit wird er in unterschiedlicher schärfe gegessen. 'Galbi' sind die zart marinierten Rinderrippchen, und 'Bulgogi' ebenfalls in einer Marinade eingelegten hauchdünnen Rindfleischscheibchen. In beiden Fällen ist die Marinade würzig, aber nicht besonders scharf. Beide Gerichte werden direkt am Tisch zubereitet.

Weitere beliebte Gerichte sind 'Bibimbap' (Reis, Gemüse und Ei mit einer roten Chilipaste gemischt), sowie der Gemüseeintopf 'Doenjangijigae' der mit fermentierter Bohnenpaste angerichtet wird. Ein besonderer Leckerbissen ist das gekochte 'Samgyetang' Huhn, gefüllt mit Ginseng und Reis - ein absoluter Hochgenuss. In Korea essen zu gehen gleicht einem Augen- wie Gaumenschmaus. Und schöne Menschen gibt es dort zuhauf; wenn auch viele von ihnen ihrer Schönheit nachgeholfen haben. Männlein wie Weiblein.

 

Zur Überwachung der Produktion ihrer Klangkörper weilt SEO gerade in Korea. Insgesamt vier dieser Riesenglocken werden dort momentan produziert. Die Werkstatt liegt in unmittelbarer Nähe zur schwerbewachten Grenze  Nordkoreas, aber idylisch inmitten von Reisfeldern. Wenn alles fertig ist, wird die Installation im Ludwig Museum Koblenz (23. November 2014 bis 18. Januar 2015), in der Stätdtischen Galerie in Gladbeck (6. Februar bis 3. April 2015) und im kommenden Sommer in Venedig gezeigt.  

Den Muslimen in der algerischen Mannschaft hat ein eigens eingeflogener Imam die Unterbrechung des Ramadan erlaubt. Fast hätte es was genützt. Bis zum Ende der Verlängerung musste die deutsche Mannschaft zittern, um den schmeichelhaften 2:1 Sieg nach Hause zu bringen. Verdanken kann die deutsche Elf den Sieg ihrem Keeper, der nicht nur gut gehalten hat, sondern durch ein ausgezeichnetes Stellungsspiel manch gute Chance der Nordafrikaner vereitelt hat. In der Mannschaft, und das wird immer deutlicher, fehlen Dribbelkünstler, die auch mal den den Mut haben, drei, vier, Gegner zu umspielen. Sicherheitsfußball auf hohem Niveau - nichts für's Auge. Spektakuläres wollen wir sehen, nicht nur immer diese andauernden Überholmanöver auf der Geraden. Wer in den Spitzkurven am Gegner vorbeikommt, tut was fürs Publikum, schließlich finanzieren wir das ganze Spektakel. Jetzt sind wir unter den letzen acht, das nächste Match ist gegen die Franzosen (4. Juli, 18 Uhr). Für die in Asien weilenden Fans wieder mitten in der Nacht; das Spiel Holland gegen Mexiko im Übrigen konnte im Flugzeug gesehen werden. Kostenlos und auf dem Ipad.

Meine Reise führt mich heute nach Shenzen in den äußersten Süden Chinas. Auch dort wird gut gekocht.

Mehr ab morgen, und bis dahin beste Grüße.

Michael

 

 

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