Michael Schultz Daily News Nr. 707

Michael Schultz Daily News Nr. 707

Berlin, den 24. Juni 2014

Liebe Freunde,

wie freimütig und ungezwungen Politiker denken und reden können, wenn keine Kameras und Mikrofone in der Nähe sind, zeigt ein abgehörtes Telefonat in dem Polens Außenminister Sikorski so richtig abgelästert hat: 'Wir geraten in Konflikt mit den Deutschen, Russen (....) nur weil wir den Amerikanern einen geblasen haben'. Diese und einige andere erfrischende Einschätzungen führen zu immer lauter werdenden Rücktrittsäußerungen. 

Nicht die Form der Sprache ist es worauf es ankommt, es sollte ein guter Mix aus Fachwissen, Witz und Ironie sein, und wenn der stimmt, kann man eigentlich sagen was man will. Einen guten Vergleich liefern die Fußballexperten rund um die Weltmeisterschaft. Am sympathischsten von allen kommt Mehmet Scholl (ARD) rüber, Thomas Hitzlsperger macht im Morgenmagazin gute Figur. Schwach ist der Auftritt von Oliver Kahn (ZDF), der sich noch immer mehr als Aktiver sieht und das Geschehene zu sehr aus seiner eigenen Perspektive betrachtet. 'Wenn du als Spieler...' eine seiner Lieblingsredewendungen, kommt derart gequält rüber - eine Zumutung, die man kaum noch ertragen kann. Über diese Personalie wundert sich die Fachwelt schon lange.  

Heute Abend geht es für die Italiener ans Eingemachte. Im Spiel gegen Uruguay müssen sie wenigstens ein Unentschieden erreichen; schaffen sie das nicht, dürfen sie die Heimreise antreten. Beim vielumjubelten 0:1 gegen Costa Rica wurde deutlich, dass sich die Azzurris gegen kompakt stehende Mannschaften immer schwertun. (ZDF 18.00 Uhr)

Den Altstar gehobener deutscher Fernsehunterhaltung, Alfred Biolek, interessiert der Fußball überhaupt nicht. Er wisse nicht mal 'ob man Fußball mit V oder mit F schreibt' sagte der einstige Talk- und Kochshow-Pionier. 'Das ist eine Welt, die gibt's nicht für mich. Interessiert mich überhaupt nicht. Noch nicht mal ob Deutschland Weltmeister wird.' In seinem hohen Alter muss man eben Prioritäten setzen.

Auch Torsten und Nina Römer machen sich nicht viel aus Fußball, und sie machen auch keinen Hehl daraus. Ein Stipendium im amerikanischen Provincetown befreit die beiden nun von der allgegenwärtigen Fußballhysterie. Vom 1. bis 15 Juli geht es in die Staaten, gut möglich, dass sie auch dort vom neu entfachten Fußballfieber der Amis überwältigt werden. 

Gute Nachrichten gibt es von der am Sonntag zu Ende gegangenen 'Art Basel'. Aus dem Main Store Office des Messefilialisten wurde verbreitet, dass nicht nur die Organisatoren, sondern auch die Aussteller mit dem Ergebnis recht zufrieden sind. Mit rund 92.000 Besuchern wurde eine neue Bestmarke gesetzt, das sind 6.000 mehr als im Vorjahr. Die Galeristen hätten außergewöhnliche Umsätze erzielt und die Messe habe ihre Position als eines der wichtigsten Kunstevents behauptet, teilten die Messemacher mit. Der Kunstmarkt geht jetzt in seine wohlverdiente Sommerpause, was lediglich bedeutet, dass der Messezirkus eine kleine Pause einlegt. In den Galerien sortiert man sich, es geht etwas gemächlicher zu, doch die Geschäfte gehen weiter.

In Braunschweig ist eine Experimentalrakete der Technischen Universität in das Kinderzimmer eines Wohnhauses gekracht. Verletzt wurde dabei niemand, weil die Bewohner zum Zeitpunkt des Einschlags nicht zu Hause waren. Das 1,60 Meter lange Geschoss wurde vermutlich von einer studentischen Arbeitsgemeinschaft gebaut und hat das Dach und die Wände des Hauses durchschlagen. Der Staatsschutz ermittelt. 

Von Michael Schumacher ist die Krankenakte gestohlen worden. 'Seit einigen Tagen werden die gestohlenen Dokumente Medienvertretern zum Kauf angeboten', teilt die Pressesprecherin Schumachers mit. Wie und wo die Papiere entwendet wurden, konnte noch nicht festgestellt werden; sicher ist, dass sie echt sind.

Aus der Welt der Politik gibt es kaum Mitteilenswertes. In der Ukraine bemüht man sich um einen Frieden, im Irak halten die Kämpfe der ISIS-Terrorgruppe unvermindert an, und Innenminister de Maizière will Google in die Schranken weisen, und den Konzern nicht mehr alleine überlassen, welche Inhalte bei der Onlinesuche nicht mehr angezeigt werden. Eine unabhängige Schlichtungsstelle solle die Problemfälle künftig regulieren.

Morgen wieder mehr. Bis dahin beste Grüße.

Michael

 

 

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