Michael Schultz Daily News Nr. 705

Michael Schultz Daily News Nr. 705

Nürnberg, den 20. Juni 2014

Liebe Freunde,

auf der bis zum Sonntag stattfinden 'Art Basel' sind laut Erhebung des Kunstversicherers Axa Kunstwerke mit einem Warenwert von rund 4 Milliarden Euro ausgestellt. Unter allen Kunstmessen weltweit dürfte diese Summe wohl einmalig sein. Erste Verkaufsmeldungen lassen vermuten, dass mindestens 40 bis 50% der ausgestellten Werke den Besitzer wechseln. Aus Mangel an gewinnbringenden Anlagemöglichkeiten wird der Kunstmarkt  immer mehr als gute Alternative zu traditionellen Investmentmöglichkeiten gesehen, und daran wir sich auch in Zukunft nichts ändern. Darin sind sich die Beobachter ausnahmslos einig. Für diejenigen, die einen mehr geruhsamen Rundgang über die weltweit bedeutendste Kunstmesse wünschen, sei der heutige Freitag empfohlen. Ab morgen werden die Ausstellungshallen prall gefüllt sein.

Eine traurige Nachricht gibt es aus dem Kunsthandel: am Dienstag dieser Woche verstarb nach langer Krankheit im Alter von 68 Jahren der Berliner Galerist Rudolf Kicken. Dies teilte seine Berliner Galerie jetzt mit. Kicken war ein begeisterter Fotografiesammler, im vergangenen Jahr stiftete er gemeinsam mit seiner Frau deren Sammlung dem Frankfurter Städel Museum. Mit ihm verliert der Fotografiehandel einen seiner versiertesten Kenner.

Einige Angehörige des immer noch vermissten Passagierflugzeuges MH 370 der Malaysia Airlines lehnen die angebotene Entschädigung ab. Solange das Flugzeug nicht gefunden wird, könne sich die Entgegennahme von Geldzahlungen später als Fehler erweisen. Noch immer haben sie Hoffnung, dass der Flieger mitsamt den Passagieren an einem geheimen Ort festgehalten wird. Unterdessen wurde jetzt bekannt, dass die Suchgebiete westlich von Australien vermutlich nicht die richtigen seien. Anhand von Radarbildern hatten Spezialisten die Flugroute ausgerechnet und eine Absturzstelle weit westlicher als dort wo bislang ergebnislos gesucht wurde, vorhergesagt. Das Drama nimmt kein Ende.

US-Präsident  Obama droht im Irak mit Militärschlägen und schickt 300 Elite-Soldaten dorthin. Das US-Militär sei bereit zu gezielten und präzisen Militäraktionen gegen die Terrorgruppe Isis, wenn die Lage es erfordere, so der Präsident. Die 300 Soldaten sind jedoch keine Kampftruppen, sondern sollen nur das irakische Militär beraten. Gleichzeitig kritisiert Obama den irakischen Regierungschef Nuri al Maliki, der die irakischen Gruppen der Schiiten, Sunniten und Kurden noch mehr gespalten habe.

Die Russen verstärken wieder ihre Truppenpräsenz in der  Ukraine: Einige Tausend Soldaten sind an der Grenze aufmarschiert, laut Verteidigungsminister Sergej Schoigu "eine Sicherheitsmaßnahme", weil die Gefechte nicht abklingen würden. Laut Wladimir Komojedow, Chef des Verteidigungsausschusses, gibt es keine Pläne für einen Einmarsch. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hält die erneute Truppenverstärkung für einen bedauernswerten Rückschritt. Die internationale Gemeinschaft müsse hart antworten, falls Russland weiter interveniert. Russlands Präsident Wladimir Putin und sein ukrainischer Kollege Petro Poroschenko haben erneut über eine Waffenruhe gesprochen. Diese allerdings wird nur dann eingehalten werden können, wenn sich die internationale Gemeinschaft verstärkt an der Konfliktbewältigung beteiligt.

Nach der deutlichen Schlappe zur Europawahl, bei der die CSU gerade mal 40% erreicht hatte, rumort es bei den Christsozialen. Eine Gruppe aus rund 30 CSU-Politikern hat die Initiative 'Konservativer Aufbruch - CSU-Basisbewegung für Werte und Freiheit' gegründet und fordert einen Kurswechsel und eine personelle Erneuerung der CSU. Die Gruppe will keine Parteispitze, die die Grundwerte der Union opfere, um sich den jeweils wechselnden medialen Stimmungslagen anzupassen. Außerdem müsse sich die CSU wieder auf ihre auf dem Christentum basierenden Grundwerte besinnen. In der Großen Koalition lasse Angela Merkel zu, dass SPD-Themen dominierten.

Für die Bonner 'Stiftung für Kunst und Kultur' wurde von Tony Cragg eine imposante Skulptur geschaffen.  'Mean Average', so der Titel des nahezu 6 Meter hohen Kunstwerkes, wird am heute, am 20. Juni 2014 um 12 Uhr von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder zusammen mit Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und dem Vorsitzenden der Stiftung für Kunst und Kultur, Walter Smerling, auf dem Bonner Remigiusplatz enthüllt. Für Gerhard Schröder sind die Skulpturen von Cragg von besonderer Bedeutung. Egal wo er sie bisher erlebt hat, ob in Hannover oder Berlin, für ihn gilt: "Das Hervorstechendste ist für mich, dass die Skulpturen keine Hauptansichtsseite haben. Alle Blickrichtungen sind gleichwertig."

Mit dem 'Kunstprojekt Bonn' will die Stiftung für Kunst und Kultur die qualitätsvolle Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum weiterentwickeln. "Kunst im öffentlichen Raum ist uns ein besonderes Anliegen, denn es verlangt bewusste Wahrnehmung und Selbstreflexion des Publikums", erläutert Vorstandsmitglied Werner Müller und führt weiter aus: "Zweck der Kunstwelt wie der ganzen Schöpfung ist die Freiheit und das Weitergehen." Dass die öffentliche Inszenierung von Kunst mit hochkarätigen Künstlern sozusagen nicht ohne Reibungsverluste ablaufen kann, versteht sich dabei von selbst.

Für Tony Cragg "sind die Künstler in besonderer Weise verantwortlich für die Ästhetik der Umwelt", und er erläutert: "Schauen Sie aus dem Fenster. Beinahe alles in unserer Umgebung ist in der formalen Erscheinung allenfalls mittelmäßig, dient ökonomischen Zwecken und ist überhaupt eine Konsequenz der Ökonomie. Die Bildhauerei kann hier eine besondere Rolle wahrnehmen. Sie kann neue, nie vorher gesehene Formen in die Welt bringen und damit auch neue Gedanken. Und so erfüllt sie auch eine politische Funktion."

Über Andy Denzler wurde jüngst ein filmisches Kurzporträt gedreht. Dieses kann unter http://www.schultzberlin.com/de/news/artist-interview angesehen werden. Viel Spaß dabei.

Zu guter Letzt sei vermeldet, dass die Warsteiner Brauerei vor Gericht eine deutliche Watschn bekommen hat. Zukünftig dürfen die Bierbrauer ihr alkoholfreies Gebräu nicht mehr als 'vitalisierend' bewerben, das hat jetzt das Oberlandesgericht in Hamm entschieden. Die Richter sahen darin einen Verstoß gegen eine EU-Richtlinie und bemängelten, dass der Werbeaussage keine spezielle gesundheitsbezogene Angabe beigefügt worden sei. Die Brauerei hatte das Produkt als besonders vitalisierend, erfrischend und isotonisch bezeichnet. Damit ist jetzt Schluss.

Die Fußball-WM vermeldet im Tagesrhythmus neue Sensationen: vorgestern verabschiedeten sich die Spanier mit einer 0:2 Schlappe gegen Chile von der WM. Dasselbe geschah vermutlich auch gestern Abend: die Engländer verloren ihr Match gegen Uruguay mit 1:2 und dürfen sich mit ziemlicher Sicherheit vom WM-Turnier verabschieden. Bei allem was bisher geschah, ist die deutsche Nationalmannschaft ein heißer Titelanwärter. Morgen geht's gegen Ghana (21 Uhr) und mit einem Erfolg ist das Achtelfinale so gut wie erreicht.

Am Montag kommen die News wieder aus Berlin. Meinen Aufenthalt in Nürnberg habe ich ein wenig verlängert, um in einer der besten Kliniken Deutschlands einen Full Body Check vornehmen zu lassen. Sieht alles ganz gut aus.

Beste Grüße und viel Spaß in Bonn, Basel oder beim Fußball morgen.

Michael