Michael Schultz Daily News Nr. 698

Michael Schultz Daily News Nr. 698

Dresden, den 11. Juni 2014

Liebe Freunde,

die enorme Hitze der vergangenen Tage ging schon ganz schön ans Gemüt. Bei gefühlten 45 Grad wurde gestern in Dresden mit dem Aufbau der Ausstellung von Peter Arnold Fritze begonnen. Am frühen Abend musste die Arbeit eingestellt werden, weil einfach nichts mehr ging. Heute wird es nicht mehr ganz so heiß, Hitzegewitter sind angesagt. Diese  verursachen zwar große Schäden, wie in der vorvergangenen Nacht im Großraum Düsseldorf, sie bringen aber auch Abkühlung. Für Experten sind die immer öfter aufkommenden Hitzewallungen eine Folge der Zerstörung der Ozonschutzschicht. Die besonders Besorgten unter ihnen prophezeien eine Überflutung der Küsten und die Versteppung Europas. Doch, solange sich die Erde im gewohnten Rhythmus um die eigene Achse dreht, missachten wir die apokalyptischen Visionen der Naturforscher. Business as usual.  Unseren Alltag bestimmen die wichtigen und weniger wichtigen Meldungen, die mit uns persönlich so gut wie nichts zu tun haben. Geradezu süchtig hecheln wir nach Neuigkeiten aus allen Ecken dieser Erde, kommentieren diese, verwerfen den Umgang damit und freuen uns, dass es bei uns doch alles so friedlich ist. Wir sind mit uns zufrieden, den Stress den wir brauchen holen wir uns von draußen. So gesehen ist es eigentlich völlig egal wie das Wetter ist, Hauptsache wir haben eines.

In Brasilien beginnt morgen die Fußball WM, und glaubt man der Berichterstattung, dann will die dort eigentlich niemand. Überall wird protestiert, im Kern fordern die Brasilianer, dass das viele Geld (10 Milliarden Euro)  in die Verbesserung der Lebensqualität und für Bildungseinrichtungen investiert hätte werden  sollen. Um Brasilien vor einer Zerreißprobe zu bewahren, muss der Weltmeistertitel geholt werden. Dieser würde das Land zumindest für einige Zeit vor größeren Unruhen bewahren. Bei der Vergabe des Weltturniers wäre es in Zukunft angebracht, wenn die FIFA-Kommissare mit mehr Fingerspitzengefühl vorgehen. Schwellenländer und arabische Ölstaaten missachten gerne die Menschenrechte, das weiß man. Trotz Erfahrung ist man immer wieder erst hinterher schlauer. Vielleicht liegt es aber auch an der besseren Bedienbarkeit von Schmiergeld. Dort wo der Rechtsstaat nicht wirklich funktioniert, schmiert das schwarze Geld die Scharniere des Alltags. Auch das weiß man. Vielleicht ist dies aber auch der Grund, warum die großen Events in immer unwirtlicherer Umgebung stattfinden.

In Sachsen sind die Probleme weit überschaubarer: Einbrecher schlafen entweder am Tatort ein, oder sie geben ihre Beute freiwillig zurück. Das sind die großen Meldungen aus der 'Sächsischen Zeitung' von gestern. Es geht um die Parkplatznot, einen Dachstuhlbrand, um Dieseldiebstahl und um einen Radfahrer, der mit 4,8 Promille vom Drahtesel fiel. Auf der Titelseite steht was zur Hitze, zu neuen Jobs bei Porsche, und über einen australischen Einbrecher, der, nachdem er beim Einstieg in einem Erotikshop ertappt wurde, mit Dildos um sich warf. Themen, die Welt bewegen und eine Zeitung, die beim Lesen Freude bereitet.

Auf der Suche nach Inspiration gehen Künstler gene auf Wanderschaft. Studienreisen werden diese Exkursionen in der Regel genannt. Ganz anders bei SEO: den Weißen Löwen hatte sie in ihren Bildthemen phantasievoll verarbeitet, bevor sie ihm tatsächlich begegnete. Der Wirklichkeit immer ein großes Stück voraus; das sind die Visionen der Künstler. Vor einigen Tagen wurde sie von dieser eingeholt. Ein mutiger Spaziergang in den Wäldern von Mauritius. 

Die Internet-Kunst Datenbank Artnet hat es errechnet: der deutsche Maler Gerhard Richter ist unter Käufern von Gegenwartskunst der weltweit beliebteste Künstler. Mit 558 Millionen Euro jüngster Auktionserlöse ist Richter die Nummer eins, ihm folgt auf Platz zwei der chinesische Maler Zeng Fanzhi (148 Millionen). Nummer drei belegt Jeff Koons mit 142 Millionen; unter den Top Ten sind 4 weitere Chinesen, Christopher Wool, Damian Hirst und Andy Warhol.

Auf der 14. Architektur Biennale in Venedig wurde der koreanische Pavillon mit dem Goldenen Löwen für den besten Länderbeitrag ausgezeichnet. Silber ging an Chile; die Deutschen gingen mit dem von Alex Lehnerer und Savvas Ciriacidis gestalteten 'Bungalow Germania' leer aus.

Beste Grüße aus dem sonnigen Dresden. Um 18.30 Uhr wird dort in der Kunsthalle eine sehenswerte Ausstellung eröffnet. P.A. Fritze - ein Großmeister metaphysischer Entrückung.

Michael